Montag, 19. Juli 2021

Der Besuch Sigmar Gabriels in Hebron - Rechtsfreier Raum!

 Sigmar Gabriel als Hebron im Dez. 2012 besuchte, war er von der Situation so erschrocken und bezeichnete den Zustand als "Rechtsfreier Raum"

Lobeshymnen sollten nicht verblassen!

 

Lieber Genosse Sigmar,

 

bitte nicht umfallen, sonst droht ein Gesichtsverlust vor Graumanns, Schweigmanns & Co.!

 

Eine unserer sozialdemokratischen Grundwerte lautet: Solidarität. Nach meinem Verständnis, üben wir Solidarität mit den Schwächeren, Entrechteten, Benachteiligten und Unterdrückten der Gesellschaft. Wir üben Solidarität mit den Menschen, die Willkür und Gewalt ausgesetzt sind. Und mit den Menschen, denen ihre Selbstbestimmung verweigert wird. Wenn nicht mit den Palästinensern auf unserer Gotteserde, mit wem dann?

 

Ich habe Deinen Mut, Deine Offenheit und zutreffenden Worte, anlässlich Deines Besuches in Hebron, gegen das  Apartheid-Regime Israels, bewundert. Sie haben mich mit Hoffnung erfüllt. In Hebron hast Du sicherlich beobachtet, dass über die arabischen Straßen Maschendraht aufgezogen wurde, nämlich weil die radikalen Siedler dort, die stets oberhalb wohnen, ihr Unrat, Fäkalien und sonstiger Müll, über die Araber werfen. Für so ein Verhalten gibt es in unserer Gesellschaft keine Bezeichnung, nicht einmal im Tierreich. 

 

Ich habe dir, Dankesworte für Deinen ehrlichen Auftritt, geschrieben. In einem offenen Brief, bin ich mit deinen Angreifern, die Israellobbyisten Hermann Gröhe und Philipp Missfelder, sehr offen ins Gericht gegangen und ihnen die Leviten  klipp und klar gelesen. Dieser Brief  liegt dir und dem SPD-Vorstand vor.  Er ist weit verbreitet worden und habe dafür viel Lob für die klaren Worte bekommen, u.a. von Mitgliedern des Bundestags, namhafte  Publizisten und Journalisten, Menschenrechtler, Organisationen und auch viele Interessierte, denen alle ich aus dem Herzen sprach.

 

Soweit es mir leid tut, ich kann kein Verständnis für ein Umfallen aufbringen, was soviel, wie die Aufgabe von sich selbst und von der eigenen Prinzipien und Wertvorstellungen, gleich kommt. Meines Erachtens, hat das auch mit der eigenen Selbstachtung viel zu tun. Deshalb appelliere ich an dich, bleib dir und deiner selbst treu. Lass es bitte nicht soweit kommen, dass wir nicht damit leben müssen, dass unsere Politiker Bescheid wissen, aber das Gegenteil sagen? Wir sollten nicht soweit kommen zu denken, dass die Politiker inzwischen immun gegen Gewissensbisse sind?

 

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird mit Steuergeldern finanziert und ist für die Angelegenheiten seiner jüdischen Mitglieder verantwortlich. Viele Juden  in Deutschland wollen nicht vom ZRJ vertreten sein. Denn der ZRJ verkennt inzwischen, die ihm zugedachten Aufgaben und fungiert als Handlanger des zionistischen Regimes Israels. Dieter Graumann macht es zu seiner Hauptaufgabe, mit der „Antisemitismus-Keule“ jeden, bei Bedarf zu erschlagen, den er bei der Kritik an den Besatzer Israel, ertappt. Kay Schweigmann und alle andere Lobbyisten machen es ihm nach.

 

Absolut keiner, wirklich keiner kann sich anmaßen, die Aussagen von Nelson Mandela, Erzbischof Desmond Tutu und Ronnie Kasrils anzuzweifeln, wenn sie das Apartheid-Regime Israels als ein viel Schlimmeres als das Südafrikanische, bezeichnen.

 

Eine Bundestagsabgeordnete war beim Russel-Tribunal, im November 2011,  in Kapstadt, bei dem die Jury ganz eindeutig zu dem Schluss kam, dass es sich bei der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern um eine Apartheidpolitik, die ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, handelt. Die Ergebnisse dieses Tribunals sind hier durch die Medien verschwiegen worden, daher kaum bekannt in Deutschland.

 

Die israelische Regierung verfolgt eine Strategie der Judaisierung, in dem sie den meisten Palästinensern verbietet – ob Muslime oder Christen – den Zugang zu Jerusalem und den Besuch der heiligen Stätten. Immer mehr der noch verbliebenen palästinensischen Bürger werden durch direkte Vertreibung aus ihren Häusern oder administrative Maßnahmen gezwungen, Jerusalem zu verlassen. Mehrere tausend Häuser mussten bereits jüdischen Siedlungen weichen. Der Abriss der palästinensischen Häuser in Ostjerusalem wird immer fortgesetzt. Apartheid par Excellence.

 

Genosse Sigmar, ich glaube nicht, dass der indirekte Apartheid-Vergleich, ein spontaner emotionaler Ausbruch war. Sondern aus Überzeugung, durch das, was man mit eigenen Augen sehen und beobachten konnte.

 

Wie weit die Selbstüberschätzung des ZRJ geht, sieht man daran, kaum ist Joachim Gauck als Präsident gewählt worden, schon meldet der Zentralrat der Juden ganz konkrete Wünsche an ihn, an. Dieter Gaumann, Vertreter Israels in Deutschland, wünscht sich eine Positionierung gegen Antisemitismus und ein Engagement des Herzens für Israel und seine Sicherheit. Unter Graumanns „Antisemitismus“ ist jede Kritik an die verbrecherische Politik Israels als solches zu verstehen.

 

Ich denke, Du hast mit Kritik gerechnet. Aber, nie darf man Charakterschwäche haben oder zeigen, er wäre sonst ein wehrloses Opfer für die Meute wilder Hunde, die ihn schnell zerfleischen wird. Bestes Beispiel erkennt man an die ekelhaften und selbstüberschätzende Äußerungen des Vorsitzenden der Israelvertretung in Niedersachsen, die Deutsch-israelische Gesellschaft in Hannover, Kay Schweigmann-Greve: "Die Äußerungen des SPD-Bundesvorsitzenden sind eine böse Entgleisung. Den souveränen und demokratischen Staat Israel mit dem Apartheidregime in Südafrika gleichzusetzen ist ein Schlag ins Gesicht der Israelis. Dies gilt insbesondere, da gleichzeitig die Menschen in Südisrael unter dem Raketenterror leiden. …“ 

 

Diese schlimmen Worte, von jemandem, der seine zugedachte Aufgabe völlig verkannt hat, muss man als eine Entgleisung und Anmaßung der schlimmsten Sorte, deklarieren. Noch dazu muss für das Anheucheln des Israelvertreters angemerkt werden, wenn er die Streichholzraketen aus Gaza erwähnt, und dabei vergisst, mit Absicht zur verlogenen Heuchelns, wie Israel mit den Palästinensern umgeht, nicht einmal mit einem Wort, zu erwähnen.

 

Hierzu füge meinen offenen Brief als Antwort auf die Unverschämtheiten Schweigmanns:

Offener Brief:

Erbärmliche Auftritte deutscher Parlamentarier 

Sehr geehrte Herren Gröhe und Missfelder,


Über den Apartheid-Vergleich vom SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, zur israelischen Politik im Westjordanland, haben Sie sich mit Kritik übertreffen wollen. Zum einen verlangen Sie eine Entschuldigung für den „Totalausfall“, zum anderen bezeichnen den Vergleich als „inakzeptabel“.  Abgesehen von ihren Ausfällen im Lande (Hofgeismar, Rentner-Schreck, Hartz IV), die hier nicht zur Debatte stehen, werde ich mich nur auf Ihre Angriffe gegen den Apartheid-Vergleich beschränken.

Für Sie heißt es zunächst, wer endlich einmal die Wahrheit ausspricht, muss sich dafür entschuldigen, da das inakzeptabel sei. Nach dem Motto, Wahrheit tut weh, erscheint mir Ihr Auftritt umso erbärmlicher. Denn, wie Israel mit den Palästinensern umgeht, übersteigt jeder Beschreibung. Man glaubt es erst, wenn man das mit eigenen Augen beobachtet hat. Leider, bekommt man hier durch die Medien und Lobbyisten oft ein total verzerrtes Bild von der Lage dort. Für seine ehrlichen und mutigen Worte sollten Sie besser, Sigmar Gabriel danken und nicht maßregeln.

Vorab, der SPD-Vorsitzende Gabriel hat mit seiner Äußerung gar stark untertrieben. Ich möchte Ihnen, was dort vor sich geht, einmal vor Augen führen.

Ich bin Deutscher palästinensische Abstammung, in Haifa geboren und weiß wovon ich rede. Ich möchte hier differenzieren und werde, zwischen der abgeschafften Apartheid in Südafrika und dem, immer noch, nach über 45 Jahren existentes, Apartheidregime in Palästina, unterscheiden.

Das Apartheid-Regime in Südafrika hat die schwarze Bevölkerung nicht vertrieben. Im Gegensatz zu Israel, das die Besitzer des Landes Kanaan, die Gastgeberischen Palästinenser für die Aschkenasim, mit aller Gewalt vertrieben hat und immer noch vertreibt.

In Palästina werden die Einheimischen mit F-16 Fighting Falcon und Apache Hubschraubern bombardiert. Sogenannte Verdächtige werden außergerichtlich exekutiert. Oft werden ganze Häuserzeilen, Hochhäuser und Blöcke mit Raketen in die Luft gejagt, um einen angeblich Verdächtigen zu töten, in Kauf nehmend, dass so viele Unschuldige mit in den Tod gerissen werden. Beim Kriegsverbrechen, gegessenes Blei, gegen Gaza, hat Israel die Menschen mit Phosphorbomben verbrannt.

Das rassistische Israel hält schwangere Frauen an Checkpoints fest, sie werden daran gehindert, zum Krankenhaus zu gelangen, bis sie das Kind tot zur Welt bringen. Oft sterben sie auch mit. Das und ähnliche Schikane veranlassten den, inzwischen verstorbenen, Religionsphilosophen Yeshayahu Leibowitz, Israel als Judeo-Nazi-Staat zu bezeichnen. An den Checkpoints werden genauso Frauen, Kinder, Greise, Schülerinnen und Schüler fest gehalten, schikaniert und demütigt. Manche sterben an den Checkpoints, vor den glotzenden Augen der Soldaten, bei denen keine menschliche Geste sich rührt. 

Dazu kommen die tagtäglichen Demütigungen, Erniedrigungen, Diskriminierung und Schikane aller Art, die die Palästinenser ununterbrochen, Tag ein Tag aus, ausgesetzt sind. Häuserzerstörungen, Landenteignung, Plantagen- und Felderrodungen und so weiter und sofort, abgesehen von der Apartheidmauer, die das Land der Palästinenser weiter zerfrisst und die Menschen total einschließt, sie von ihrem Wasser, von ihren Feldern und von der Außenwelt abschottet, stehen auf der Tagesordnung Israels.

Israel setzt rücksichtslos seine völkerrechtswidrige Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten verstärkt fort und löst eine unvorstellbare Rüstungsspirale in der gesamten Nahost-Region aus und heizt die Kriegsstimmung bis zum platzen auf. Dabei wird übersehen, dass das aggressive Israel die einzige atomare Macht in der Region ist. Israel ist wohl der einzige Staat in der Region, der die größte Gefahr für den Weltfrieden darstellt. 

In Israel sind zweierlei Rechtssysteme, für Israelis und für Palästinenser, ob mit oder ohne israelische Identität.

Bei allem Erwähnten handelt es sich in der Tat nur um einen Auszug dessen, was das Besatzerregime Israel mit seinen Gastgebern anstellt. Die nackte Wahrheit übersteigt jede menschliche Vorstellung.

Zum Schluss, möchte ich in Erinnerung rufen, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Das lehrt uns unsere Verfassung. Gilt diese Würde etwa nur hier in Deutschland, oder auch für andere Menschen?

Meine Herren Gröhe und Missfelder, Sie wollen doch nicht die Behandlung der Palästinenser durch Israel als menschenwürdig bezeichnen! Bitte mäßigen Sie sich in Ihren Auftritten. Wenn Sie dennoch für die israelischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eine Rechtfertigung, die Sie mit Ihrer Nazi-Vergangenheit  begründen wollen, uns auftischen wollen, dann kann ich Ihnen nur eines empfehlen, geben Sie den Juden, denen in Nazi-Deutschland Unrecht getan wurde, das Land Hessen, das so groß sei wie Palästina. Hier sind Sie Ihren Günstlingen fiel näher und können Ihre „Staatsräson“, gegenüber dem Land Israel in Hessen, nach Herzenslust austoben. Für Ihre Vergangenheitsaufrechnerei zitiere ich einen Freund: Wozu kann das Aufarbeiten vergangener Verbrechen dienen, wenn nicht der Verhinderung zukünftiger?“ (Günter Schenk, Straßburg). 

Israel hat keine andere Wahl, als letzte postkoloniale europäische Enklave, sich freiwillig in einen bürgerlichen und demokratischen Staat zu verwandeln. Israel muss sich seiner Geschichte der ethnischen Säuberung stellen. Aber die Ideologie, die es ermöglicht hat, 1948 die Hälfte der einheimischen palästinensischen Bevölkerung zu vertreiben, ist nach wie vor lebendig, und betreibt weiter eine unerbittliche, zuweilen unbemerkte ethnische Säuberung des Landes von ihren Besitzern.

Es gilt als sicher, dass die Palästinenser nicht dazu verdammt werden dürfen, die Verbrechen der deutschen Vergangenheit zu sühnen. Ihre Schulden, Herren Gröhe und Missfelder, sollten Sie gefälligst selber tilgen. Und wenn Sie sich auf die „Gnade der späten Geburt“ berufen sollten, dann kann ich Ihnen nur raten, benehmen Sie sich endlich als ehrliche und aufrechte Demokraten, die einem Unrecht laut und deutlich ins Gesicht schreien würden: „Das ist Unrecht.“ Solange Sie das nicht können, bleibt Ihnen nur eins, Schweigen.

Ich als Deutsch-Palästinenser fühle mich von Ihrem Gedankengut doch nicht betroffen. Mein Volk hat Israel und den Zionismus immer so gesehen wie es seinem Wesen nach ist: brutal, expansiv und menschenverachtend. Die Deutschen hingegen hängen aus falsch verstandenen Schuldgefühlen einem romantischen Israel-Bild an, das es in der Realität gar nicht gibt. Man könnte fast schadenfroh sagen, es geschieht Ihnen recht! 

Ich kann meine deutschen Landsleute nur empfehlen, endlich den Kriechgang aufzugeben und aufrechten Hauptes diesen Unverschämtheiten Israels entgegenzutreten.

Dr. Izzeddin Musa                                                                                                                       Anschrift

März 12/012

 

Anmerkung: Es sollte nicht heißen, Parteigänger braucht man zu antworten. Das kann ich nicht gelten lassen. Eben deshalb, bitte ich unbedingt, um eine Antwort, um zu wissen, woran man ist!!!

Donnerstag, 8. Juli 2021

Frau Friede, Freude Eierkuchen Springer, Handlanger Israels in Deutschland

 

Frau Friede, Freude Eierkuchen Springer, Handlanger Israels in Deutschland


Geschichten älteren Datums

 

Anlass: Verleihung des Leo-Baeck-Preises am gestrigen Tag (02.11.00)
an Frau Friede Springer für ihre Verdienste an den Holocaust.

Der Chef des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, hielte die Laudatio.  


Soweit so gut. Aber nein, Paul Spiegel, ein deutscher Bürger, musste auf den Konflikt in Palästina eingehen. Mischte er sich nun als Jude oder als Deutscher, in den Nahost-Konflikt – Palästina/Israel, ein?

Wir kommen noch einmal hier darauf zurück. Er, Paul Spiegel, bedauerte, während seiner Laudatio, den Tod des Jungen Mohammed Durra, der im Schosse seines Vaters, gezielt getroffen von Kugeln israelischer Soldaten, starb. Aber, der „deutsche“ Chef  des ZRdJ,  zweifelte die Tat an und wollte nicht wahrhaben, dass die Kugeln israelischer Soldaten ihn töteten und seinen Vater schwer verletzten. Zumal Augenzeugen der AFP-Journalisten bestätigten eidesstaatlich die absichtliche Tötung durch israelische Soldaten. ergänzte Paul Spiegel in seiner Rede und fragte noch vorwurfsvoll, "Was hat der Junge eigentlich mit seinem Vater dort zu suchen?“  Eine sehr kluge Frage!!!  Hat der Vorsteher des ZRdJ  nicht hingeschaut oder gar gelesen, wie der Mord geschah? Oder der Herr Hase wusste von nichts? Dann will ich es ihm sagen. Der Vater war mit seinem Sohn auf Gebrauchtwagensuche. Da sie nichts Passendes für den kleinen Geldbeutel fanden, machten sie sich wieder auf dem Heimweg. Aus heiterem Himmel gerieten beide in einem Kugelhagel. Der hat seinen Sohn genommen und haben sich hinter einem Elektrokasten am Straßenrand verstecken wollen. Der Vater hat vergeblich mit Handzeichen versucht, ihre Neutralität zu zeigen. Vergeblich. Er  wurde durch gezielte Schüsse schwer verletzt und den Jungen haben die Soldaten kaltblutig ermordet. Die Mordtat wurde dokumentiert und konnte im Fernsehen verfolgt werden. Was für ein grausames Spiel und eine unmenschliche Untat israelischer Soldaten aus niederen Gründen.

Paul Spiegel, Vorsitzender der ZRdJ, Niederlassung des israelischen Hasbara-Ministeriums  in Deutschland, wollte das alles in Zweifel ziehen und weist den Anwesenden aus Politik, Wirtschaft und Kirche den Weg an: "Sollte es zum Krieg, zwischen Palästinensern und Israelis, kommen, dann müssen wir alle eine Front, solidarisch und völlig loyal gegenüber Israel sein. Also, wir stehen auf der Seite Israels.“ Beinah hätte man ein Raunen im Saal vernehmen können, was soviel heißt wie: „Jawohl Chef.“

 

Izzeddin Musa, 03.11.2000

 

 

Meine Korrespondenz mit dem Genossen MdB Uli Kelber

 

Es ist an der Zeit, einen Teil der Korrespondenz, mit dem Abgeordneten unserer Region im Bundestag, Ulrich Kelber, öffentlich zu machen, damit man sieht, mit welchen Vorstellungen unsere Volksvertreterinnen und –vertreter auf das Wahlvolk losgelassen werden. 

Meine Anfrage:

Gesendet: Dienstag, 21. August 2012 18:28                                                           Betreff: Deutschland aktive Kriegspartei

 
Die Bundesregierung entscheidet über den Kopf des Hohen Hause
Deutschland ist aktive Kriegspartei im Syrien-Konflikt!




Lieber Uli,

es scheint, unsere Volksverteterinnen und –vertreter sind für die Bundesregierung überflüssig geworden. Ist es wirklich inzwischen so weit gekommen?

Folgendes hat mich in dieser Annahme bestärkt:

Der BND versorgt die bewaffneten Aufständischen gegen den Präsidenten Al-Assad mit Informationen, z. B. über Truppenbewegungen. Wie die Springer-Bild am Sonntag informiert wurde, kreuzt ein Spionageschiff der deutschen Marine vor der syrischen Küste. Dieses "Flottendienstboot" habe "modernste Spionagetechnik" des BND am Bord. Mit der ließen sich Truppenbewegungen bis zu 600 km tief in Syrien beobachten. Die derart gewonnenen Erkenntnisse werden den Angaben zufolge an US- und britische Geheimdienste weitergegeben. Von dort gehen sie automatisch weiter an die Aufständischen.

Ein Mandat des Hohen Hauses für die Kriegsschiffe gibt es nicht.


Wie ist das zu erklären?

Es grüßt dich herzlich

Izzeddin

 

 

 

Antwort:

Datum: Fri, 24 Aug 2012 10:11:44 +0200
An: Izzeddin Musa
<izzeddin.gaza@gmx.de>
Betreff: AW: Deutschland aktive Kriegspartei

 

Lieber Izzedin,

vielen Dank für Deine Frage zum Konflikt in Syrien. Vorweg will ich sagen, dass mich die Lage in Syrien äußerst beunruhigt. Die andauernden Gewaltausbrüche sind schockierend. Sie erschweren eine dringend notwendige politische Lösung in Syrien. Durch die Blockade Russlands und Chinas im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird überdies ein wirksames Eingreifen der internationalen Gemeinschaft verhindert.

Ich kann verstehen, dass es zunächst befremdlich wirkt, wenn in dieser Gemengelage nun ein Schiff der deutschen Marine auftaucht. Nach den Informationen unseres Mitglieds im parlamentarischen Kontrollgremium für die Sicherheitsdienste Fritz-Rudolf Körper ist das besagte Schiff im Rahmen des Mandats UNIFIL der Vereinten Nationen im östlichen Mittelmeerraum unterwegs. Diesem Auftrag hat der Deutsche Bundestag zugestimmt. Ich habe, wie nach jeder namentlichen Abstimmung, mein Verhalten öffentlich begründet. http://www.ulrich-kelber.de/glaesernermdb/transparenz/index.html#abst77 

Zur dort angesprochenen Unterstützung der libanesischen Regierung bei der Grenzsicherung gehört auch das Sammeln von Informationen. Mit Syrien teilt der Libanon den größten Teil seiner Grenze. Soweit ich es derzeit überblicken kann, handelt die Bundeswehr also im Rahmen des Mandats, das der Bundestag ihr gegeben hat.

Fritz-Rudolf Körper bestätigt darüber hinaus, dass die gesammelten Informationen nicht an eine der Kriegsparteien in Syrien weitergegeben werden. Damit nimmt die Bundesrepublik keine aktive Rolle im syrischen Konflikt ein. Sollte es dennoch von Abgeordneten noch weitergehende Fragen geben, so sperrt sich die SPD-Fraktion nicht dagegen diese im Kontrollgremium zu thematisieren. 

Ich hoffe ich konnte zur Klärung Deiner Fragen beitragen.

  

Mit freundlichen Grüßen

 

 Uli

 

-------- Original-Nachricht --------
Datum: Sat, 25 Aug 2012 22:08:20 +0200
Von: "Izzeddin Musa"
<izzeddin.gaza@gmx.de>
An: Kelber Ulrich
<ulrich.kelber@bundestag.de>
Betreff: Deutschland aktive Kriegspartei


Lieber Uli,

danke für Deine Antwort, die ich allerdings in keinster Weise teilen kann.

Im einzelnen:

Westliche Staaten, USA und NATO sollten Russland und China nicht für blöd halten. Noch einmal fallen sie nicht auf den Betrug herein, wie er in Libyen praktiziert wurde, und über 50.000 Menschenleben kostete. Für die beiden Vetomächte geht es um existentielle Fragen. Fällt Syrien, würde Israel Hisbollah und den Libanon sofort vernichten. Iran wäre ein leichtes Angriffsziel. Russland und China wären eingekreist. Die USA würden dann schalten und walten, als Weltherrscher, wie es ihnen beliebt. Sollte die USA mit ihrem Handlanger NATO ein unüberlegtes Spiel diesmal wagen, wäre ein Welt-Konflikt nicht mehr auszuschließen.  Deshalb rate ich dazu, Guido Westerwelle sollte die Kriegsdame Hillary Clinton und sich selbst nicht übertreffen. Mäßigung ist hier oberstes Gebot und gefragt.


Ein Frieden für Syrien wird mit aller Gewalt durch USA, die westlichen Vasallen, Türkei und die Finanziers und Musterdemokratien am Golf Saudi Arabien und Katar verhindert. In Kurzform: Die Söldner werden mit hunderter von Millionen US-Dollars finanziert und mit modernster USA-Israel Kriegs- und Kommunikationsgerät ausgestattet. CIA, Mossad, BND und andere Geheimdienste haben in der Südtürkei (Adana) Ausbildungsbasen und Stützpunkte. Auch Trainingslager für die Söldner befinden sich dort. Anschließend werden diese Mordinstrumente nach Syrien eingeschleust, um das System zu destabilisieren. Eine flagrante Einmischung in innere Angelegenheiten eines souveränen Landes, unter dem Deckmantel "Menschen und Menschenrechte" zu schützen. Hier handelt es sich lediglich um Kriegspropaganda und Hetze. Das haben wir in Libyen erlebt, wo über 50.000 Menschen, durch NATO-Bomben, gekillt wurden.

Noch etwas nebenbei: Hillary Clinton, der Sozialdemokrat Hollande und die Türkei wollen eine "Flugverbotszone" auch ohne Mandat des Weltsicherheitsrates durchsetzen. Das ist eine verantwortungslose Kriegserklärung, die ein internationales Höllenfeuer entfachen wird. USA, vertreten durch Jeffrey Feltman, ehemals in der US-Botschaft in Israel und später Botschafter in Libanon, bekannt für seine Vorliebe, Unruhen zu stiften im Nahen Osten und Saudi Arabien, vertreten durch Prinz Bandar bin Sultan, ehemals Botschafter in USA und jetzt Geheimdienstchef in SA, bekannt für seine US-Lastigkeit, haben vor vielen Jahren Krieg gegen Syrien geplant. Das ist kein Geheimnis oder Verschwörungstheorie. Darüber wurde in internationaler Presse mehrmals berichtet.

 

Wer steht nun einem Frieden in Syrien entgegen? Bei den selbsternannten sog. Freunde Syriens, USA-Israel,  westl. Länder an deren Spitze Frankreich, England und Deutschland, hinzu kommen die Türkei und die vorbildlichen Demokratien am Golf, Saudi Arabien und Katar, besteht nicht der geringste Wunsch, den Konflikt friedlich-politisch zu lösen. Das haben sie bewiesen, als sie den Plan Annans und die Genfer Initiative torpedierten. Sie haben sich verschworen, Syrien zu zerstückeln. Das wird allerdings ein unerfüllter Traum bleiben.

 

Entweder stehen die Mitglieder des Bundestages den kriegerischen Handlungen Deutschlands wohlwollend gegenüber oder sie wollen die Realitäten nicht wahrhaben und nicht sehen wollen!
 
Wenn ich behaupte, dass Deutschland durch den BND aktiv an dem Konflikt in Syrien teilnimmt, habe ich dafür auch die Quelle in meinem Schreiben genannt. Ich teilte Dir auch mit, dass "Bild am Sonntag" behauptet, dass BND-Agenten im türkischen NATO-Stützpunkt in Adana stationiert sind.
Von dort aus hören sie Telefonate und Funkverkehr aus Syrien ab und diese an "Brudergeheimdienste" weiter gibt, die wiederum den Söldnern zur Verfügung stellt. Auch hierüber berichten internationale Medien fast täglich. Das hat also mit dem UNIFIL-Mandat (Libanon) des Bundestages überhaupt nichts zu tun.

Ein namentlich nicht genannter US-Geheimdienstler schwärmt im Springer-Boulevard: »Kein westlicher Geheimdienst hat so gute Quellen in Syrien wie der BND.« Und Bild am Sonntag stellt fest: »Innerhalb des BND und der Bundesregierung wird die Rolle des Dienstes bei der internationalen Zusammenarbeit als große Auszeichnung wahrgenommen.« Ein – namentlich nicht genannter – BND-Mann: »Wir können stolz darauf sein, welchen wichtigen Beitrag wir zum Sturz des Assad-Regimes leisten.«

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte in Berlin laut Reuters, ein Flottendienstboot der Marine sei in internationalen Gewässern im östlichen Mittelmeer unterwegs. Diese Schiffe dienten der Informationsbeschaffung und hätten Aufklärungstechnik an Bord. Das Spitzelschiff liege in einem Hafen auf Sizilien, hieß es zunächst. Später wurde Sardinien genannt. Ein Sprecher der Bundesregierung verwies auf Anfrage der Agentur auf das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags. Zu Vorgängen mit nachrichtendienstlichem Bezug nehme die Bundesregierung keine Stellung. Auch der BND äußerte sich zu dem Bericht nicht.

Das läuft doch alles, wie ich meine, an den Abgeordneten im Bundestag vorbei.

Fazit: Deine Antwort kann in diesem Sinne nur als unzureichend, nicht zutreffend und unzufriedenstellend betrachtet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Izzeddin

 


Montag, 5. Juli 2021

Dr. Noy in der Synagoge

 

Dr. Noy in der Synagoge und VHS Köln:

Siegespose eines Zionisten wurde beendet!

 

 

Im Herbst 1994 war ich einer der geladenen Gäste zu einer Abendveranstaltung - Podiumsdiskussion - in der Synagoge in Köln. Podiumsteilnehmer waren: Dr. Noy, Sprecher der Israelischen Botschaft  in Bonn; Mohammed Nazzal, Angestellter der Palästinensischen Generaldelegation - Bonn; Hakam Abdel-Hadi, Angestellter bei der Deutschen Welle – Köln. Moderator war Peter Philipp, Chef der Nah- u. Mittelostabteilung bei der Deutschen Welle - Köln. 

Das Diskussionsthema ging um Frieden zwischen Israel und Palästina. Solche Themen wurden,  kurz nach Oslo, oft und  bevorzugt behandelt.     

Kurze Eindrücke von den Teilnehmern: Dr. Noy kannte ich von ähnlichen Veranstaltungen. Ein durch und durch Überzeugter Zionist. Er war auch einer, der stets massiv gegen Dr. Ludwig Watzal, Redakteur bei der Bundeszentrale für politische Bildung, kurz BpB, hetzte, um seines Amtes entheben zu können.

Mohammed  Nazzal war ein Sprachrohr seines Herrn, der Generaldelegierte Abdallah Frangi, der zu allen Schandtaten bereit war, wenn es um großzügige palästinensische Konzessionen für Israel ging. Ich rede aus eigener Erfahrung, wo ich jedesmal erleben müsste, dass er zu allem bereit war, im Sinne und kompatibel mit  der palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Er widerte mich, mit seiner Aussage und Bereitschaft, Palästina zu opfern, regelrecht an. Wir hatten des Öfteren heftige Auseinandersetzungen, wegen seiner Bereitschaft, für einen „Frieden“ mit Israel, Vieles, sprich Palästina,  zu opfern.  

Hakam Abdel-Hadi war an diesem Abend nur Schatten seiner selbst. Als Untertan des Moderators, redete nur nach seinem Munde. Seine Abwesenheit täte ihm besser, also, total nichtssagend und langweilig. Denn, der Moderator Peter Philipp, den ich persönlich gut kannte, gibt sich stets als palästinenser-freundlich aus. Wenn man allerdings seine Schriften und Kommentare liest, merkt man den geschickt versteckten israellastigen Unterton. Verständlich, wenn man erfährt, dass er mit einer jüdischen Israeliten verheiratet war und seine Söhne in der israelischen Armee gedient haben.

Die Herren redeten und was die zwei hirngewaschenen Nazzal und Abdel-Hadi von sich gaben,  war nur anbiedernd und inhaltslos. Sie wollten um jeden Preis nur gefallen, Abdel-Hadi seinem Chef der Moderator und Nazzal dem Konzessionär Abdallah Frangi, der ja nicht anwesend war, aber würde davon Wind bekommen.

Dr. Noy gab sich, gegenüber Palästinensern, sehr großzügig, indem er den Anwesenden erzählte, Israel „schenkt“ den Palästinensern, um seine Friedenswillen zu dokumentieren, 20 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr. Wie weit Zionisten lügen und trügen kann man nicht erahnen. Also, Israel schenkt den Palästinensern vom eigenen Wasser, was es zu Hundertprozent geraubt hat, zwanzig Prozent zurück. Das hat der Hasbara-Mensch aber nicht erzählen wollen. Da habe ich gedacht, nach der Podiumsdiskussion werde ich das alles klarstellen und  ihn jämmerlich vorführen. Gut gedacht und sehr optimistisch. Als ich mich unverzüglich zu Wort meldete, verkündete der Moderator kurzer Hand, es findet keine Diskussion im Anschluss statt. Ich traute meinen Ohren nicht. Meine Enttäuschung war verständlicherweise grenzenlos, da, was ich los werden wollte, ist zunächst bei mir im Halse stecken geblieben.

Unverzüglich bin ich zu Peter gegangen und fragte, wie konntest du so eine Podiumsdiskussion machen ohne Fragen und Diskussion im Anschluss? Seine Antwort war entwaffnend: „Wir wollen ja nicht nur diskutieren, wir wollen doch was essen, trinken und genießen“. Es gab nämlich einen Imbiss mit Getränke im Anschluss. Jämmerlicher kann eine Antwort nicht ausfallen. Es blieb nur, dass  ich dann zu Noy gerannt bin und habe ihn gefragt, wieso er nicht gleichzeitig erwähnt, dass Israel das gesamte palästinensische Wasser für sich beansprucht,  also raubt, und nach Oslo den Palästinensern 20 Prozent (20 Millionen qm) von ihrem eigenen Wasser lässt. Seine Antwort noch erschlagender: „Wir sind die Besatzer und können uns das erlauben.“ Paff. Ich bin sprachlos gegangen. Oder sollte dort laut schreien und informieren???

Kommt Zeit kommt Rat

Anfang Herbst 1996 war ich in der Volkshochschule Köln, zum Feier der Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem eingeladen, Kölner OB war Dr. Norbert Burger und seinerzeit Bürgermeister von Bethlehem Hanna Nasser.

Siehe da, unglaublich aber wahr, Dr. Noy war auch anwesend. Ich dachte, jetzt ist die Stunde der Wahrheit gekommen.

Die Vorgeschichte: Wenige Monate vorher hat sich ein palästinensischer Selbstmordattentäter (völkerrechtlich: Freiheitskämpfer) in Israel in die Luft gejagt und viele Menschenleben mit in den Tod gerissen

Ich bin auf Dr. Noy zugegangen, habe ihn begrüßt und mein tiefes Beileid ausgesprochen. Überheblichkeit des Besatzers gewohnt, erwiderte er, nachdem er sich bedankte, dass Arafat viel mehr tun müsste, um  solche Attentate zu verhindern. Denn, nach Oslo war Arafat lediglich ein Sicherheitspolizist bei Israel. Deshalb erwarte Israel das von ihm. Ich dachte jetzt ist seine Stunde gekommen. Da erwiderte ich, ja das muss Arafat, der Polizist, der für die Sicherheit  des Besatzers Israel, tun. Aber, lieber Herr Noy,  ich hätte eine viel bessere Lösung. Seine Augen wurden so groß und ein riesen Lächeln breitete sich über das ganze Gesicht als er fragte: „Und, was wäre das?“ Ich entgegnete: „Sie und alle Zionisten sollten schleunigst aus Palästina verschwinden.“ Er wurde so rot, dass beinahe das Blut aus seinem Gesicht schoss und verschwand. Ja, das war die Rechnung für die Synagoge in Köln. Die Siegespose in der Synagoge konnte zur richtigen Zeit und richtigen Moment in der VHS beendet werden.

 

Izzeddin Musa

Herbst 1994


Sonntag, 4. Juli 2021

J'accuse!

Der „Stahlhelmjude“: Professor Michael Wolffsohn und Konsorten!!

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21039 


Einer entdeckt sein Zionistensein, mit dem er Einfluss schinden kann, besonders in "Deutschland"!!!

Er kann sich, als Umwandler, diesmal als Zionist,  seine Unverschämtheiten erlauben!?!



J'accuse!

 

VON PROFESSOR DR. MICHAEL WOLFFSOHN

AKTUALISIERT AM 28.06.2004-15:35

 

Der Historiker Michael Wolffsohn erhebt in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schwere Vorwürfe gegen seine Kritiker und verteidigt seine Thesen in der Debatte über die Anwendung von Folter in Extremsituationen.

Nie wieder Täter - ein deutsches Credo. Nie wieder Opfer - so lautet die Lehre der Juden aus der Geschichte. Man ist damit so weit auseinander wie je. Auch heute gilt: Die Juden können, selbst wenn sie es wollten, dem Jüdisch-Sein nicht entfliehen - denn die anderen lassen sie nicht. Herzls Einsicht spiegelt sich in der aktuellen Debatte über Israels Sicherheitspolitik und über das Für der Folter wider. Eine analytische und persönliche Rückschau.

___________________________________________________________________

Es war einmal ein total assimilierter Jude, der 1860 in Budapest geboren wurde, erstmals 1897 keinen Weihnachtsbaum aufstellte, sondern Kerzen des neunarmigen Chanukka-Leuchters anzündete, deutsch-österreichischer Patriot war und Zionist wurde - der Zionist: Theodor Herzl. Seines hundertsten Todestages gedenken wir in diesen Tagen.

Es war einmal ein 1947 in Israel geborener deutsch-jüdischer Patriot, der trotzdem Zionist im Sinne fester Israel-Verbundenheit war und es in jüngster Zeit noch mehr wurde: ich. Nicht aus Unbescheidenheit sei hier von mir die Rede. Meine persönlichen Erfahrungen der jüngsten Zeit verdeutlichen, wie mir scheint, die Gegenwärtigkeit und Wirksamkeit Herzls.

"Wir sind ein Volk, ein Volk." In der Einleitung seines 1896 erschienenen Klassikers "Der Judenstaat" finden wir diesen zeitlos gültigen Satz. Nicht alle Juden haben die gleiche Staatsbürgerschaft, und nur etwa ein Drittel aller Juden lebt heute im "Judenstaat" Israel. Dennoch: "Wir sind ein Volk, ein Volk." Was immer "es" ausmacht: Religion, Tradition, Geschichte, Verfolgung, Verbundenheit, großfamiliäre "Blutsbande", Alltagsgemeinschaft - unser Wir-Gefühl ist ebenso unbestreitbar wie die hieraus abgeleitete Wir-Ihr-Abgrenzung. Ob religiös oder nicht, zionistisch oder nicht, jüdisch engagiert, distanziert oder indifferent - wir sind und bleiben Juden, ob wir es wollen oder nicht.

Beispiele aus der Gegenwart: Wohlwollende deutsche Nichtjuden - und die meisten deutschen Nichtjuden sind heute durchaus wohlwollend - sagen, wie wir in Deutschland lebende Juden (oder deutsche Juden oder jüdische Deutsche oder, oder, oder), über den jeweiligen Bundeskanzler: "Das ist unser Kanzler." Zugleich aber sagen sie uns Juden: "euer Ministerpräsident Scharon" oder "euer Präsident Katzav". Die meisten wohlwollenden Nichtjuden betrachten uns gerne als Deutsche, doch Israel nennen viele von Ihnen "eure Heimat", und die vermeintlich allmächtige "US-jüdische Lobby" ist auch in den Augen der wohlwollenden "eure Lobby", die (so die Wahrnehmung) die Politik von Bush und Scharon vorbehaltslos unterstützt. Schon diese:Beispiele zeigen: Auch heute ist für Juden jeglicher jüdischer Färbung und nationalstaatlich kultureller Prägung eine Flucht aus der nationaljüdisch-weltjüdisch israelischen Gemengelage unmöglich. 

Zunächst wollte auch Herzl dem Jüdisch-Sein entfliehen, sogar Massentaufen von Juden im Wiener Stephansdom hatte er als "Lösung der Judenfrage" zunächst vorgeschlagen. Bald erkannte er die Aussichts- und Ausweglosigkeit jeglicher Flucht oder Assimilation - Assimilation als nicht nur äußerliche, sondern auch verinnerlichte Totaldistanzierung von Juden und Judentum. Das assimilierte deutsche und westeuropäische Judentum erlitt diese Erfahrung im Holocaust.

Abgesehen von der Unmöglichkeit einer Flucht - sie wäre töricht. Weshalb sollten wir Juden freiwillig auf eine der Hochkulturen dieser Welt verzichten: auf unsere? Weshalb sollten wir Juden auf unsere Religion zugunsten des Christentums oder des Islams verzichten, die beide auf dem Judentum basieren? Weshalb sollten wir Juden in die Welt des Abendlands fliehen, die entscheidend jüdisch geprägt ist, auch wenn sie es nicht mehr weiß?

Ein Volk, ein Volk

Die anderen Völker, auch das deutsche Volk (das sich, politisch korrektelnd, lieber als "Deutsche Bevölkerung" bezeichnet), auch das "Deutsche Volk" ist heute mehr oder weniger bereit, uns zu akzeptieren und zu integrieren. Aber dennoch bleiben wir für Deutsche und andere Nichtjuden "die Juden", also doch Die-irgendwie-Anderen. Und wir selbst? Auch wir, seien wir noch so "deutsch" oder "englisch" oder "amerikanisch" oder "französisch", auch wir verstehen uns nicht zuletzt als Juden, als "Juden in Deutschland" oder "deutsche Juden" oder "deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens".

Unser Irgendwie-Anderssein wollen wir selbst nicht ablegen, selbst wenn es die anderen zuließen. Doch sie lassen es nicht zu, auch unsere besten Freunde nicht, die wirklichen ebenso wie die vermeintlichen Freunde. Wir sind wie die anderen und sind doch anders. Wir wollen das, und die wollen das.

Fazit: 1896 war Herzls Satz "Wir sind ein Volk, ein Volk" gerade innerjüdisch höchst umstritten. Die Geschichte hat Herzl recht gegeben, und deshalb gilt dieser Grundsatz Herzls für uns Juden der Diaspora ebenso wie für die Juden Israels.

Für sein Volk, unser Volk, wollte Herzl ein Land. Nicht irgendein Land, sondern Eretz Israel, das Land Israel. Herzl dachte auch an Argentinien, später an den Raum um El-Arisch auf der Sinai-Halbinsel, dann auch an Uganda, weshalb manche von Herzls innerzionistischen Kritikern seine Gegner und teilweise sogar Feinde wurden. Dennoch: Uganda und alle anderen Regionen waren taktische Varianten und nicht das strategische Ziel. Strategisches Ziel blieb Eretz Israel.

Volk und Land waren also die zentralen Kategorien der Herzlschen Gedanken und Taten. Damals wurde Herzl auch innerjüdisch dafür und deswegen bekämpft, heute sind Volk und Land Israel für den Großteil der jüdischen Gemeinschaft außerhalb und innerhalb Israels von geradezu axiomatischer Zentralität. Sie bilden die Grundlage des jüdischen heutigen Seins und Bewußtseins; auch für die Diasporajuden, die nicht in Israel leben wollen, es jedoch als Lebensversicherung betrachten und dafür ihren materiellen oder ideellen oder materiellen und ideellen Beitrag leisten. Sie wollen ihn leisten, weil allein diese Grundlage ihnen existentielle Sicherheit als Juden gibt, sowohl ideell als auch materiell. Herzl lebt, weil sich seine Sichtweise der jüdischen Welt in der jüdischen Welt und durch die Weltgeschichte durchgesetzt hat.

Für Franz Rosenzweig, neben Martin Buber der wohl bedeutendste jüdische Religionsphilosoph des 20. Jahrhunderts, war (in seinem Schlüsselwerk "Der Stern der Erlösung", Erstausgabe 1921) jüdisches Sein und Überleben nicht vom Land abhängig, sondern vom Zusammenhalt des Volkes. Die Begriffe des großen Menschenfreundes Rosenzweig klingen heute für Unwissende wie Vokabeln aus dem Wörterbuch nationalsozialistischer Unmenschen. Das ist ganz und gar falsch, erklärt aber auf einen Schlag, daß und weshalb der Abgrund zwischen Juden und Nichtjuden "nach Auschwitz" und trotz Auschwitz auch unter wechselseitig wohlgemeinten Vorzeichen groß ist.

Rosenzweig: "Nur das Blut gibt der Hoffnung auf die Zukunft eine Gewähr in der Gegenwart. Jede andre, jede nicht blutmäßig sich fortpflanzende Gemeinschaft kann, wenn sie ihr Wir für die Ewigkeit festsetzen will, es nur so tun, daß sie ihm einen Platz in der Zukunft sichert; alle blutlose Ewigkeit gründet sich auf den Willen und die Hoffnung." Allein die "Blutgemeinschaft", also das Volk als blutsverwandte, biologisch nationale Gemeinschaft, so Rosenzweig, gewähre "Ewigkeit".

Der Philosoph weiter: Eine solche "Blutsgemeinschaft" brauche "den Geist nicht zu bemühen; in der natürlichen Fortpflanzung des Leibes hat sie die Gewähr ihrer Ewigkeit". Blut ohne Geist, Blut statt Geist, also jüdisches Dasein rein biologisch und ohne inhaltliches Sein? Sollte Rosenzweig das wirklich gemeint haben? Nur so viel: Das allein wäre an inhaltlich Jüdischem zu wenig, weil biologistisch. Bei der Person Rosenzweig fehlten diese Inhalte gewiß nicht, für das jüdische Kollektiv reicht die "Stimme des Blutes" nicht. Sie formuliert keine Inhalte und wirkt deshalb blutleer.

Für heutige Köpfe und Herzen, jüdisch oder nicht, sind solche ums Blut kreisenden Worte und Gedanken eine Ungeheuerlichkeit, sie klingen nach "Blut und Boden", also nach Nationalsozialismus. Irrtum! Erstens meint Rosenzweig mit "Blut" nichts anderes als den Umstand, daß wir Juden mehr als nur gedanklich eine Art Großfamilie sind. Wenn und wo "Blut" verbindet, ist man miteinander verwandt, und weil verwandt, auch miteinander verbunden, ob man will oder nicht. Zweitens meint Rosenzweig nicht "Blut und Boden". Ganz im Gegenteil. Er meint, daß die Verwandtschaft der Juden auch ohne Boden, ohne Land, Verwandtschaft bleibt. Für die anderen "Völker der Welt" gelte, so Rosenzweig wörtlich: "Am Boden und seiner Herrschaft, dem Gebiet, klammert sich ihr Wille zur Ewigkeit fest. Um die Erde der Heimat fließt das Blut ihrer Söhne; denn sie trauen nicht der Gemeinschaft des Bluts, die nicht verankert wäre in dem festen Grund der Erde." Anders die Juden, nach Rosenzweig: "Wir allein vertrauen dem Blut und ließen das Land."

Und das Land Israel, Eretz Israel? Rosenzweig antwortet: Es sei "im tiefsten Sinn" nur als "Land der Sehnsucht", als - "heiliges Land" zu verstehen. Und wenn Juden im Heiligen Land leben, so sei es doch Gottes Land, das dem "unbefangenen Zugriff" aller Menschen einschließlich der Juden verwehrt bleibe. Das alles ist klarer, als es klingt. Rosenzweig wollte folgendes sagen: Wir Juden sind eine große Familie, "wir Juden sind ein Volk, ein Volk", doch wir brauchen kein Land, um Juden zu sein, zu bleiben, zu überleben.

Nein, hatte Herzl früher gesagt und bis heute nicht nur wegen des Holocaust recht behalten: Ohne jüdisches Land kein jüdisches Volk, kein jüdisches Überleben, weil ohne jüdisches Land jüdisches Blut ungehindert, unbehindert, ungesühnt und ungestraft vergossen wird.

Schon vor dem millionenfachen Judenmord hat Herzl "Nie wieder!" gesagt. Nie wieder Opfer! Die meisten Juden haben seit 1896, seit dem Erscheinen von Herzls "Judenstaat", trotz Franz Rosenzweig und "nach Auschwitz" aus der Geschichte eines gelernt: Nur als Volk und mit Land für unser Volk können wir als Juden überleben, in Israel und in der Diaspora. Noch einmal: "Der Judenstaat", Israel, ist unsere Lebensversicherung. Herzl sei Dank. Vor allem deshalb gilt: Herzl lebt. Er lebt in uns, und er lebte für uns.

"Die Notlage der Juden wird niemand leugnen." So beginnt das Kapitel "Die Judenfrage" in Herzls "Judenstaat", eines Buches, das in einer Zeit wilder und brutaler Judenverfolgungen und -diskriminierungen entstand. Diese Antisemitismen waren auch zu Herzls Zeit nicht auf Österreich, Deutschland, Rumänien, Rußland und Frankreich begrenzt, wo Herzl 1894/95 den Prozeß gegen Alfred Dreyfus miterlebte und miterlitt. "Man wird uns nicht in Ruhe lassen", so Herzl im "Judenstaat". Die Not war damals groß, sie wurde von 1933 bis 1945 unendlich größer. Doch selbst "durch Druck und Verfolgung sind wir nicht zu vertilgen", hatte Herzl in der Einleitung des Judenstaates vorhergesagt. Vor seinem Kampf hätte es Hitler lesen sollen. Er hätte uns Juden, den Deutschen, der Welt, auch sich selbst Höllisches erspart.

Schon vor der Schoa hatte Herzl, ebenfalls in seinem prophetischen und (anders als "Altneuland") auch heute gut lesbaren Buch "Der Judenstaat", geschrieben: "Die lange Verfolgung hat unsere Nerven überreizt." Nach Auschwitz sind unsere Nerven, auch die Nerven der jüdischen Nach-Holocaust-Generationen, "überreizt", in Israel und in der Diaspora. Deshalb haben die meisten heutigen Juden Herzls "Nie wieder!", das er allein politisch und diplomatisch und somit gewaltlos sichern wollte, um die militärische Komponente erweitert.

Sie haben Herzl nicht verändert, sondern dem Fortgang der inzwischen noch mehr blutgetränkten jüdischen und israelischen Geschichte angepaßt. Der neujüdische Konsens billigt daher die Gewaltkomponente nicht nur reaktiv, sondern notfalls auch präventiv, also vorwegnehmend. Für den politischen Zweck unseres Überlebens, in Notwehr, befürworten wir die Androhung und notfalls, notfalls, notfalls die Anwendung von Gewalt, also auch Krieg. Und die Gewalt des Terrors beantworten wir mit Gegengewalt, was wir für legitim halten; legitim, also "gerechtfertigt" beziehungsweise "vertretbar oder "befürwortbar".

Was legitim beziehungsweise vertretbar ist, ist denkbar, muß oder darf aber nicht unbedingt machbar oder erlaubt sein. Anders formuliert: Was legitim ist, ist weder automatisch legal, also Rechtens und dem geltenen Recht entsprechend. Und was eine Gesellschaft oder ein Staat möglicherweise rechtfertigt, ist noch lange kein geltendes Recht. Das ist vereinfacht, der neujüdische, Nach-Herzlsche Konsens, die Mehrheitsmeinung.

Dieser heutigen jüdischen Mehrheitsmeinung widerspricht die gegenwärtige Mehrheitsmeinung der Nichtjuden fundamental, besonders in Deutschland. Ich habe das während der zurückliegenden Wochen hautnah und geradezu unter die Haut gehend erfahren müssen, nachdem ich im Zusammenhang mit der Bekämpfung des internationalen Terrors jene neujüdische Mehrheitsmeinung zumindest zu bedenken gab.

"Die Deutschen", jawohl, die meisten Deutschen, also "die" Deutschen, sagen nach dem Holocaust auch "Nie wieder!". Doch sie meinen: "Nie wieder Täter!". Deshalb lehnen sie Gewalt als Mittel der Politik kategorisch ab. Das ist ebenso verständlich wie sympathisch und bringt sie uns näher. Meinen sie, hoffen sie. Das Gegenteil ist der Fall. Wie die Deutschen aus ihrer Geschichte lernten, nie wieder Täter sein und Gewalt anwenden zu wollen, so haben wir Juden gelernt, daß wir Gewalt anwenden müssen, um nicht und nie wieder Opfer zu sein. Wieder, doch unter ganz anderen Vorzeichen, verstehen "die Deutschen" unsere jüdische Welt nicht mehr - und wir nicht die Welt der Deutschen. Jede Seite hat aus ihrer Geschichte die Schlußfolgerungen gezogen - und wieder sind wir so weit voneinander entfernt wie zuvor, wie zu Herzls Zeiten. Nein, einen neuen Holocaust müssen wir nicht befürchten; Kritik, Entfremdung, Verärgerung, Haß aber durchaus. Sicher ist sicher, und daher ist Israel für uns als Juden sicher, wenngleich nicht als Staat, der nach wie vor existentiell gefährdet ist und tödlich bedroht wird.

Ob Gewalt, nur Volk oder Volk und Land, diese drei Kategorien des Herzlschen sowie des neujüdischen Seins und Bewußtseins entfernen und entfremden uns von den meisten Nichtjuden, besonders in Deutschland. Die meisten nichtjüdischen Deutschen haben nämlich aus derselben Geschichte, doch natürlich aus ganz anderer Perspektive über "Volk und Land" und Gewalt dies gelernt: Volk und Land und Gewalt als zentrale Kategorien garantieren nicht das Überleben, sondern die Vernichtung von Völkern.

Daß wir die Welt anders sehen und fest daran glauben, unser und der Welt Überleben anders als sie zu sichern, empört immer mehr Nichtjuden in der westlichen Welt, besonders in Deutschland. Das ist in ihren Augen bestenfalls verständlich, doch im Kern verwerflich. Noch verwerflicher ist in ihren Augen die Tatsache, daß für Israelis und Diasporajuden die Vereinigten Staaten der einzige verläßliche Partner in unserem Überlebenskampf sind. Ob Truman oder Kennedy, Nixon, Clinton, Bush senior oder Bush junior, amerikanische Präsidenten kommen und gehen, auch die von ihnen gelösten oder verursachten Probleme - unsere unumstößliche Verbundenheit bleibt. Auch deswegen sind wir in einem bestenfalls gaullistischen, schröderisch-fast-wilhelminisch antiamerikanischen Westeuropa mit unserer Weltsicht Fremdkörper.

Sie meinen es wirklich gut

Nicht nur Empörung, auch Haß ernten wir dafür. Israel und Scharon gegenüber ist der Haß, jenseits legitimer Kritik, offen, gegenüber deutschen Juden, die Israels Haltung wenigstens analytisch erklären, ist der Haß verdeckt, doch vorhanden. Ich habe es in den vergangenen Wochen erlebt.

Herr Westerwelle nimmt mir übel, daß ich im Jahre 2002 den Juden empfohlen hatte, nicht die FDP zu wählen. Warum? Wegen ihres antijüdischen Neuzugangs Karsli und wegen der antisemitischen Anti-Friedman-Anti-Scharon-Kampagne von Jürgen Möllemann, bei der Westerwelle zunächst bedenklich passiv geblieben war.

Die PDS hat mein Buch "Die Deutschland-Akte" und Forschungsergebnisse meiner Doktoranden nicht vergessen, die erstmals und systematisch die antisemitische Juden- und Israel-Politik der DDR dokumentierten und analysierten.

Die SPD verübelte mir besonders, daß ich öffentlich die Frage gestellt habe, warum die Bundesregierung am Vorabend des Irak-Krieges 2003 trotz gegenteiliger Analysen des Budesnachrichtendienstes so sicher war, Saddam hätte keine Massenvernichtungswaffen. 

Woher wußte die Bundesregierung mehr als ihr Nachrichtendienst? Oder urteilte sie, möglicherweise nicht einmal falsch, aus dem Bauch heraus, gegen den eigenen BND, den man gegenwärtig für teures Geld von Pullach nach Berlin umziehen läßt?

Ein Jahr nach dem Irak-Krieg hatte ich, Hans Magnus Enzensberger ähnlich (bekanntlich ein Nichtjude), den Waffengang positiv bilanziert: Saddam, der blutrünstige Diktator verjagt; Libyen rüstet atomar, biologisch und chemisch ab; der Iran läßt über nukleare Abrüstung, wie Nordkorea, erstmals mit sich reden.

Daß sich Bundesaußenminister Joseph ("Joschka") Fischer wie sonst kaum jemand in Deutschland für Israel engagiert, weiß ich, schätze ich, schätzen wir Juden. Trotzdem darf, ja muß man auch darauf hinweisen, daß jemand, der vor rund dreißig Jahren auf einen am Boden liegenden Polizisten brutal einschlug, heute als Personifizierung von Recht, Moral und polizeilich staatlicher Bekämpfung rechtsextremistischer und anderer Gewalttäter nicht sonderlich überzeugend ist. Weshalb? Weil die Botschaft an die gegenwärtigen Nazis lautet: heute Gewalttäter, morgen oder übermorgen Bundesminister. Gerade als deutscher Jude darf man auch erwähnen und, wie ich, herausfinden, daß derselbe Joseph Fischer 1969 bei der PLO in Algier Jassir Arafats Vernichtungsaufruf gegen Israel bejubelt hatte und nun, gut und schön, Wiedergutmachung leistet. Unter grünen Vorzeichen kopiert Joseph Fischer den einst braunen Staatssekretär der Adenauer-Ära, Hans Globke: projüdische und proisraelische Politik als Wiedergutmachung des vorangegangenen Kontrastprogramms.

Man hatte also gute Gründe, gegen mich als Ruhestörer, jüdisch oder nicht (wenngleich vor allem jüdisch motiviert), vorzugehen und meinen Kopf zu fordern, meine beamtete Professur einzufordern, also meine und meiner Familie Existenzgrundlage zu zerstören.

Wie befruchtend Juden als Ruhestörer in Deutschland für Deutschland wirkten, wird in der deutschen Wiedergutmachungslitanei stets besungen. Dieses Hohelied wird aber nur toten Juden gesungen. Lebende Ruhestörer, Juden oder Nichtjuden, stören eben und müssen mundtot gemacht werden, gegebenenfalls indem ein oder zwei Sätze manipulativ aus dem Zusammenhang gerissen und der Bevölkerung eingehämmert werden. Eine Hetzjagd begann, und dabei waren die Jäger bereit, sich sogar über Artikel 5 des Grundgesetzes hinwegzusetzen, der die Meinungsfreiheit sowie die Freiheit von Forschung und Lehre garantiert. Diese gilt für Professoren an Universitäten der Bundeswehr wie für jeden anderen Professor. Für Ewige Nazis und Islamisten war jene letztlich gesetzeswidrige Treibjagd in den erwünschten existentiellen Abgrund eine willkommene Gelegenheit, mich mit Liebesbekundungen einschließlich zahlreicher Morddrohungen und vulgärer Antisemitismen zu beglücken. Die besorgten Sicherheitsorgane kontaktierten mich von sich aus. Sie löffelten pflichtbewußt die Suppe aus, die ihnen pflichtvergessen, gedankenlos, doch gezielt die Spitzen des deutschen Staates aufgetischt hatten.

Anders als zu Herzls Zeiten oder gar im "Dritten Reich" strömte mir aus der nichtjüdischen Bevölkerung trotz und wegen der manipulativen Treibjagd eine große Welle der Sympathie entgegen. Von Bekannten und Unbekannten erhielt ich mehr als tausend Zuschriften, Anrufe, Danksagungen. Umfragen, neue wie ältere, dokumentieren breite Zustimmung in der Bevölkerung. Ich habe, wir Juden haben es heute besser als Herzl. Den neuen Deutschen, dem neuen Deutschland sei dafür Dank.

Aber - und das war bislang einzigartig in der bundesdeutschen Geschichte: Angehörige der Bundesregierung geben einen ihrer Bürger, zumal einen jüdischen, regelrecht zum Abschuß frei. Einen jüdischen Bürger, der 1970, im Anschluß an seinen freiwilligen Wehrdienst in Israel, aus dem "Judenstaat" nach Deutschland zurückkehrte. Dieser jüdische Rückwanderer, der sich mehrfach und öffentlich als deutschjüdischer Patriot bezeichnet hatte, dürfte er sich zudem als deutscher Beamter auf die Fürsorgepflicht seines Dienstherrn, in diesem Falle des Bundesverteidigungsministers, verlassen können? Nichts davon war zu spüren. Braune und islamistische Terroristen fühlten sich von echten deutschen Demokraten ermutigt. Das habe er nicht ahnen können, erklärte mir Bundesverteidigungsminister Struck in unserem Gespräch, zu dem er mich eingeladen und nicht, wie von ihm und den Medien verbreitet, "einbestellt" hatte. Er hätte es wissen müssen, entgegnete ich, weil er als Politiker seine Gesellschaft kennen und steuern müsse. Auch er erhalte ständig Morddrohungen, wiegelte Struck ab.

Nein, Struck und die meisten meiner Kritiker sind keine Antisemiten. Sie meinen es wirklich gut mit uns Juden im allgemeinen und dem "Judenstaat" im besonderen. Peter Struck oder Joschka Fischer sind Freunde Israels und Judenfreunde. Sie organisieren mit oder ohne die OSZE eine Demonstration und Konferenz nach der anderen gegen Antisemitismus, über und für uns Juden. Aber sie verstehen uns und unsere Gefährdung offenbar trotzdem nicht. Sie "wissen nicht, was sie tun".

Angesichts dieses seltsamen, wohlgemeinten, doch wie ein Bumerang wirkenden Schutzes wurde mir klarer denn je: Nur Israel verleiht uns Juden Sicherheit als Juden. Gewiß, in Israel können wir Opfer von Terror und Krieg werden. Aber dort kennt jede Regierung, mit und ohne Scharon, wenigstens die Geister, die uns gefährlich sind und werden können.

Das galt dem Juden

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag bilanzierte die "Folterdebatte" über meine Person und sprach von einer Verleumdungskampagne, die immer deutlicher antisemitische Züge trage. Man kann die bittere Einschätzung Jerzy Montags mühelos belegen: Von der Legitimität der Folter gegen, ich vereinfache, einen Terroristen mit "tickender Bombe" hatte schon der bedeutende deutsche Soziologe Niklas Luhmann 1992 in seiner berühmten "Heidelberger Vorlesung" gesprochen. Die wichtigste Kommentierung des Grundgesetzes ist der sogenannte "Maunz-Dürig-Herzog". In der neuesten Auflage aus dem Jahre 2004 wird sogar Artikel 1 des Grundgesetzes, der unantastbaren Würde des Menschen geltend, für Notsituationen relativiert. Folter als Notwehr wird nicht nur legitimiert, sondern quasi legalisiert. Bundesinnenminister Otto Schily ist sogar bereit, die Todessehnsucht von Terroristen zu erfüllen: Wenn sie den Tod wollten, könnten sie ihn haben.

Die meisten meiner Jäger haben am 18. Juni 2004 (zu Recht und dankenswerterweise) das "Luftsicherheitsgesetz" und das Gesetz zur nächträglichen Sicherungsverwahrung im Bundestag verabschiedet. Das alles betrifft Legalität und geht erheblich weiter als mein Nachdenken über die Legitimität der Folter in Notwehrsituationen. Mein Nachdenken steht in der ethischen Tradition des Abendlands. Ich nenne die Stichworte: Tyrannenmord, Widerstandsrecht (Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz), finaler Rettungsschuß. Gibt es Denkverbote in Deutschland?

Mein Nachdenken wird auch von der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, gestützt. Auch deshalb standen in den vergangenen Wochen zahlreiche in- und ausländische Rabbiner an meiner Seite, auch der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie weite Teile der diasporajüdischen und israelischjüdischen Gemeinschaft. Erwähnen und danken möchte ich auch zahlreichen christlichen Geistlichen und Theologen, allen voran dem Katholiken Eugen Biser und dem Protestanten Richard Schröder, die meine Gedanken zur Folter bei extremer Notwehr verstanden und auch christlich zu- oder einordnen konnten.

Kaum jemand hat sich über jene Gedanken und Handlungen der erwähnten Nichtjuden aufgeregt. Nur mein Nachdenken löste eine Haupt- und Staatsaktion aus. Warum? Wenn ich nur als Jude und weil Jude jene Kampagne überstehen konnte, wie sehr ernst zu nehmende Persönlichkeiten schrieben, gibt es nur einen Grund: Die Kampagne zielte auf den Juden, einen Juden, der grundsätzlich und eindeutig proisraelisch ist, wenngleich durchaus punktuell Israel-kritisch; einen Juden, der grundsätzlich ein Freund und nur punktuell ein Kritiker der Vereinigten Staaten ist. Jeder Nichtjude konnte unbehelligt Thesen vertreten und sogar Gesetze beschließen die meinen nur nachdenkenden Gedanken entsprachen. Keinem der erwähnten Nichtjuden, der sie vortrug, wurde ein Haar gekrümmt, kein Hahn krähte, die Sache wurde diskutiert, nicht die Person als Person attackiert, ich wurde verfolgt. Das kann nur dem Juden gegolten haben.

Mein deutschjüdischer Patriotismus? Über den vergeblichen Patriotismus der Juden in nichtjüdischen Staaten hatte Herzl einleitend im "Judenstaat" geschrieben: "Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwengliche Patrioten . . . vergebens bemühen wir uns, den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaft, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge ausgeschrieen."

Für Herzl war die "Judenfrage" weder eine soziale noch religiöse, sondern eine "nationale Frage". Man wird in seine Nation hineingeboren, lateinisch "natus". Die Judenfrage betrifft unser jüdisches Dasein, den Alltag, unser erlebtes Wir-Gefühl. Unser jüdisches Sein, unser lebendiges, selbstbestimmt inhaltliches Wir-Gefühl, werden wir ohne unsere Religion, jüdische Kultur, Philosophie und Tradition nicht ausfüllen, weil die Stimme des Blutes und negative Fremdbestimmung durch Verfolgung substantiell blutleer bleiben.

Mit oder ohne selbstbestimmte jüdische Inhalte: Die Flucht von Juden aus Judentum und jüdischer Gemeinschaft bleibt im jüdischen Dasein, wie Herzl zu Recht sah und sagte, ausgeschlossen, und lebende jüdische Ruhestörer sind auszuschließen, so die Sicht der nichtantisemitischen nichtjüdischen Entscheidungsträger, oder gar abzuschießen, so die ewige Sicht der Ewigen Antisemiten.

Daran hat sich seit Herzl nichts geändert. Das beklagen wir, das beklage ich, und deshalb klage ich an, wie Herzls Zeitgenosse Émile Zola am 13. Januar 1898 im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre. "J'accuse . . . !" Ich klage an.

Der Verfasser lehrt Geschichte an der Universität der Bundeswehr München.

 

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2004, Nr. 145 / Seite 6

 

FAZ veröffentlichte Leserbriefe auf die Unverschämtheiten von Wolffsohn: