Freitag, 24. Februar 2017

Samer Issawi ließt Israel die Leviten


277 Tage bis zum Sieg
und eine andere kleine Geschichte





So lange hat der Hungerstreik von Samer Issawi in den menschenverachtenden israelischen Folteranstalten gedauert, bis er die Nase der Besatzer in den Dreck zog und deren unerträgliche Arroganz gebrochen hat. Nach 277 Tagen Leer-Magen-Standhaftigkeit beendete Issawi seinen Hungerstreik und zwang den Besatzer auf seine Bedingungen einzugehen. Sein Anwalt vereinbarte am 23. April  mit der zionistischen Militär-Staatsanwaltschaft, wenn Issawi seinen Hungerstreik beenden würde, käme er nach acht Monaten frei. Israel wollte ihn schon am Anfang frei lassen. Bedingung war: Er müsste nach Gaza, in ein arabisches oder irgend ein europäisches Land, nur nicht nach Issawiya, sein Heimatort, wovon er seinen Namen trägt, im besetzten Jerusalem, zu seiner Mutter und Familie. Dort ist er geboren, dort lebte er und dafür kämpfte er. Er lehnte ab und beharrte darauf, nur in senem Dorf zurück zu gehen, und die Besatzungsmacht müsste sich schließlich seiner Forderung beugen. Darauf beendete heute der Hungrige seinen Hungerstreik. Als die Nachricht bekannt wurde, strömten die Gratulanten in das Haus der Familie, um den Sieg, über die Arroganz der Macht, zu feiern. Das ist ein Sieg für die Würde, für das Rückkehrrecht und für alle freiheitlichen Menschen.



Aber warum darf Issawi erst nach acht Monaten raus, die jetzt nicht enden werden wollen und ihm wie eine Ewigkeit vorkommen müssten? Ganz einfach: Das zionistische Apartheidregime ist so edel, dass es den tiefgläubigen Muslim am 23. Dezember nach Hause schicken möchte, genau gesagt, ein Tag vor Weihnachten, damit er „Heiligabend“ im Kreise der Familie besinnlich und fröhlich feiern kann. Für Geschenke hat er ja einen ganzen Tag Zeit. Sicherlich wüsste er das zu schätzen und hat sich für diese edle Geste endlos bedankt!!!

Wer weiß, ob Israel seine Abmachung einhält. Wir wissen, dass Israel weder gegebenes Wort, Versprechen, Vertrag, Vereinbarung oder Abkommen noch Abmachung eingehalten, und erst recht keine Resolution je respektiert hat.. Warum sollte es jetzt eine Ausnahme machen? Israel ist nie verlegen, wenn es darum geht, Vereinbartes nicht einzuhalten. Jitzchak Rabin hat es uns einmal demonstriert, als er eine vereinbarte Verhandlungsrunde mit den Palästinensern absagte (nach den Osloer Abkommen, d. Red.), kommentierte er wie folgt: „Vereinbarungen sind doch nicht heilig, dass man sie einhalten muss“. Mit anderen Worten, vieles könnte bis zum 23. Dezember passieren und dazwischen kommen. Zum Beispiel, Israel gibt vor, Issawi hätte etwas verbrochen. Also bleibt er länger in Haft. Oder er bekommt etwas verabreicht, so dass er die Gefängnismauern in einem Sarg verlassen würde! Todesursache: Herzversagen! Das ist nicht neu in israelischen Gewaltanstalten.

Wenn man genau hinhört, wenn der zionistisch-khasarische Mob über die palästinensischen Eindringlinge oder die Araber im allgemeinen redet, dann trieft es nur so vor nacktem Hass und Rassismus. Der Gott hat diesen Khasaren das Land nie versprochen. Das ist ein Geschichtsirrtum, dem sie aufgesessen sind. Eine Geschichtslüge und -klitterung, weiter nicht.

Ich hoffe, dass meine Befürchtungen sich nicht bewahrheiten werden. Aber diese Erfahrungen haben wir, bei dieser unmenschliche Bestie Israel, immer wieder machen müssen. Israel ist eine einsame Weltklasse für kurioseste Überraschungen. Und die Welt schaut zu!      


Eine weitere Tragödie israelischer unmenschlicher Willkür und Grausamkeit:

Heute, am selben Tag wie Samer Issawi, kam auch, nach den 18 Tagen Psycho-Terror, seelischer wie körperlicher Folter, hinter den Gefängnismauern Ofer, der zwölfjährige Schüler Ahmad Gawabreh frei.

Vor 18 Tagen hat die Besatzungsmacht das Kind aus seinem Haus im Flüchtlinslager al-Arrub in Hebron festgenommen. Die Bilder bei der Festnahme zeigen zunächst wie das Kind und seine Mutter die Soldaten der Besatzungsmacht inständig gebeten haben,  die Festnahme um einen Tag zu verschieben, da der Junge am morgen eine Prüfung in der Schule hat. Die Soldaten haben all die Bitten überhört, und wie erwartet, abgelehnt.

In einem TV-Interview (Link unten, jedoch leider nicht abrufbar) erzählt uns das Kind Ahmad Gawabreh seine Geschichte:

TV: Wir danken Gott, dich heile wieder zu sehen. Kannst du uns nun erzählen was mit dir im Gefängnis geschah?

Ahmad: Um drei morgens klopfte es bei uns an der Tür. Mein älterer Bruder machte auf. Da standen mehrere israelische Soldaten vor der Tür. Sie fragten ihn: Bist du Ahmad. Nein, Ahmad ist mein Bruder, sagte er. Sie drangen rein. Inzwischen kam ich dazu und sie fragten mich, wie alt ich sei? Zwölf, habe ich erwidert. Sie verlangten nach meinem Ausweis, den ich ihnen dann gab. Sie sagten, du bist fünfzehn und keine zwölf. Das stimmt natürlich nicht, sie logen. Ich sollte mich anziehen, weil sie mich mitnehmen wollen. Ich habe gesagt, ich kann nicht mit euch gehen, weil ich morgen eine Prüfung habe. Nein, du gehst mit, erwiderten sie. Nein, ich gehe nicht mit. Da haben sie mich mit Gewalt gezehrt. An der Tür habe ich gebeten, mich wenigstens anzuziehen. Bei dem Militärfahrzeug haben sie mich vor die Kamera im Wagen gesetzt, die sie dann ausschalteten, Fahrzeugtüre zuschlugen, mir dann die Augen verbunden und auf dem Boden geworfen. Dann sind sie mit uns zur Polizeistation gefahren. Dort ließen sie uns (es waren noch zwei weitere festgenommene Kinder dabei) über eine Stunde in der Kälte draußen sitzen. Danach sind sie mit uns zu einem Krankenhaus gefahren. Dort haben sie mir die Binde von den Augen genommen und ich wurde gefragt, ob ich irgendwelche Krankheiten hätte. Nein, habe ich gesagt. Nach der Untersuchung haben sie uns wieder die Augen verbunden und wir müssten wieder draußen in der Kälte sitzen, bis sechs Uhr morgens.  Dann kam einer zu mir und fragte nach meinem Namen. Ich antwortete, Ahmad Gawabreh. Und woher kommst du? Ich wiederum, aus al-Arrub. Er sagte, wenn du mit mir ehrlich bist, werde ich mit dir ehrlich sein. Ich wiederholte, wenn auch du mit mir ehrlich bist, werde ich ehrlich mit dir sein. Er fragte: Hast du Steine geschmissen? Ich verneinte. Er sagte, ich habe aber hier einen Augenzeugen, der das bezeugen kann. Ich erwiderte, wie soll ich ihn erkennen, wenn meine Augen verbunden sind?  Darauf nahm er mir die Augenbinde weg und fragte: kennst du ihn? Ich verneinte wieder. Darauf er, ich werde nicht mehr ehrlich mit dir sein. Darauf ich: ich auch nicht mit dir. Danach nahm er mich zu einem Raum und sagte, hörst du hier die Schreie von oben, von jemand der geschlagen wird? Ja ich höre, und er sagte, so werden wir dich schlagen, wenn du nicht die Wahrheit sagst. Ich sagte: Das kannst du machen wie du willst.

TV: Ahmad, du warst also nicht ängstlich, während deiner Unterhaltung mit ihm?

Ahmad: Nein, war ich nicht.  Es kamen dann vier Soldaten in den Raum. Einer nahm einen Stock und fing an, mich zu schlagen. Dann haben sie alle auf mich eingedroschen. Ich konnte es nicht mehr aushalten, da habe ich zugegeben, dass ich zwei Steine geworfen habe. Tatsächlich habe ich sie nicht geworfen, aber vor lauter Schläge, habe ich gestanden, damit sie aufhören, mich zu schlagen (Steine werfen, welch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!?!). Nachdem ich gestanden hatte, zwei Steine geworfen zu haben, legten sie mir die Augenbinde wieder an und zerrten mich nach draußen. Inzwischen war es Mittags geworden. Sie ließen uns so lange in der Sonne hocken bis zum Abend. Danach haben sie uns mitgenommen und auf Metallbetten mit einer dünnen Decke geworfen. Wir konnten nicht schlafen. Um ein Uhr nachts kamen sie wieder und wollten uns mitnehmen. Ich fragte: Wo sollten wir hin? Nach Ofer (Gefängnis, d. Red.). Sie haben uns an Händen und Füßen gefesselt. Wir müssten das Fahrzeug besteigen und sind Richtung Ofer gefahren. Dort angekommen, müssten wir im Fahrzeug noch zwei Stunden sitzen bleiben. Danach haben sie uns rein genommen. Dort müssten wir uns umziehen und schäbige Kleider anziehen und müssten dann zum Trakt, wo wir bleiben sollten. Dort warfen sie meine Kleidung auf dem Boden. Die anderen Gefangenen haben meine Kleiderstücke aufgehoben und auf die Seite auf dem Boden getan. Danach konnte ich bis morgens, vor lauter Müdigkeit und Folter, schlafen.

TV: Haben sie dich wieder, wegen dem Steinewerfen, vernommen, Ahmad?

Ahmad:  Ja. Ich habe das mit den zwei Steinen wiederholt bestätigt. Darauf sagten sie, nun wird dir der Prozess gemacht. Am nächsten morgen haben sie mich an Händen und Füßen gefesselt und zum Gericht mitgenommen. Nach einer vierstündigen Wartezeit, kam ich an die Reihe und wurde dem Richter vorgeführt. Ständig schlugen sie währenddessen auf mich ein. Und so ging die Zeit weiter, achtzehn Tage lang, bis ich entlassen wurde. Am Tag der Entlassung kamen sie zu mir, ließen mich aber den ganzen Tag in den Räumen warten, bis zum Nachmittag. Dann kamen sie zu mir, zerrten mich und warfen mich vor den Gefängnistoren.

TV: Warum haben sie dich entlassen, etwa nachdem sie feststellten, dass du kein Steinewerfer warst?

Ahmad: Nein, ich bin auf eine Kaution frei gekommen, mit der Auflage, dass ich ein ganzes Jahr lang das Haus nicht verlassen darf. Also, Zwangshausarrest. Nirgendwohin, nicht einmal zur Schule darf ich das Haus verlassen.

TV: Wer hat die Kaution bezahlt?

Ahmad: Meine Familie und der Anwalt. Die Israelis wollten zunächst 6.000 Schekel, aber der Anwalt und der Dolmetscher haben gehandelt und gebeten, bis der Richter mit 4.000 Schekel einverstanden war. Morgen habe ich wieder eine Gerichtsverhandlung.

TV: Da du nicht einmal zur Schule darfst, hat deine Schule Verständnis?  Hast du sie kontaktiert?

Ahmad: Nein, ich darf ja gar nicht raus. Ich muss das Haus für ein ganzes Jahr strikt hüten.

TV: Ahmad, nach allem was mit dir geschah, denkst du daran, irgendwie Steine zu werfen in Zukunft, gegen die Besatzungsmacht, oder hat dich dieses Erlebnis zurückgeschreckt?

Ahmad: Nein, nein, um Himmelswillen. Nach alledem was ich gesehen, erlebt und an Folter erleiden müsste, werde ich so etwas nicht mehr tun.

 Anmerkung d. Red.: Israel ist eines der Vertragsstaaten, trotzdem vernachlässigt es das Recht auf Bildung und Ausbildung für Kinder, eines der zehn Grundrechte der Kinder, laut Kinderrechtskonvention.


TV: Ahmad, wir wünschen dir, dass du wieder zu deiner Schule gehen kannst und alles Gute für deine Zukunft, wie allen Kindern dieser Welt. Danke für das Gespräch mit dir aus Hebron.  

Keiner in der Werte-Welt kann mehr behaupten, er wusste nichts. Wer darüber schweigt, macht sich zum Komplizen.


Das Video ist leider nicht mehr abrufbar.


Dokumentiert:  25.04.2013

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