Montag, 11. Dezember 2017

Al-Quds – Die ewige Hauptstadt Palästinas


Vorgeschichte

Die 3000-Jahre-Lüge ist lediglich eine Fabel zionistischer Fantasien. Im Jahr 1993 wurde Netanjahu zum Chef des zionistischen rechtsgerichteten Likud-Blocks und folglich zum Oppositionsführer gewählt. Ende 1995 wurde er, Premierminister Israels in spe für die Wahlen 1996, als Gastredner von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin eingeladen. An diesem Abend war ich auch anwesend. Der Likud-Chef Netanjahu, bekannt als notorischer Lügner, begann, wie üblich mit seiner Geschichtsklitterung, so, dass alle Historiker und Geschichtsforscher erblassen würden, wenn sie seine Ausführungen über die Geschichte Jerusalems gehört hätten. Unter anderem fantasierte und faselte er davon, dass Jerusalem erst seit David, also lediglich 3.000 Jahre alt und immer jüdisch gewesen sei.


Am Ende des Vortrags erklärte der Moderator, es stünden lediglich 20 Minuten zur Diskussion zur Verfügung. Just meldete ich mich als erster zu Wort. Ich wollte vom Redner wissen, worauf er sein "tiefgründiges" historisches "Wissen" gründe. Der Polemiker und selbsternannte "Historiker und Geschichtsforscher" holte aus, so dass keiner der Anwesenden nachvollziehen konnte, was er eigentlich sagen wollte. Er bekräftigte seine blödsinnigen Thesen, worauf er sich zwischendurch auf Mark Twain alias Samuel Langhorne Clemens bezog. Was Mark Twain mit der Geschichte Palästinas zu tun hat, blieb sein Geheimnis und keiner der Anwesenden konnte nachvollziehen, was er damit sagen wollte. Zu allem Überfluss nahm er die zur Verfügung stehenden 20 Minuten für sein Geschwätz in Anspruch. Er wollte sicherlich keine kritischen Fragen mehr beantworten, die ihn hätten in Verlegenheit bringen können. Für mich war es unerlässlich, dieses Lügen-Geschwätz nicht im Raum stehen zu lassen. Der Diskussionsleiter lehnte zunächst, wegen des engen Terminplans, ab. Als ich aber massiv auftrat und entgegnete, diesen Blödsinn könne nicht unwidersprochen bleiben, gewährte er mir ein paar Sätze.


Ich zitierte einen Artikel von Armin Wertz aus dem ,Kölner Stadtanzeiger" vom Sa./So., 29./30.Juli 1995: "Mit David fing nicht alles an". Zitat: "Jerusalem ist eben nicht 3000 Jahre alt. Die 5000 Jahre alten sogenannten Ebla-Tafeln (Die Tontafeln von Ebla, https://de.wikipedia.org/wiki/Ebla), die in der Nähe von Aleppo gefunden wurden, erwähnen zum ersten Mal einen Ort, der nach dem kanaanitischen Gott des Abendsterns Salem benannt war. Auf 4000 Jahre alten Scherben aus Ägypten tauchte erstmals der Name Urushalem auf (Canaanite Phoenician Jerusalem, Urushalim,) , was so viel wie "Gründung des Gottes Salem" bedeutet. Jerusalem ist ein Dorf, errichtet vor 2.500 Jahren v. Chr. auf einen Hügel. … Um diese Zeit, so berichtet die Genesis, traf "Melchisedek", der König von Salem, Abraham und segnete ihn (Gen. 14, 18). Als David schließlich um 1.000 v. Chr. Salem den Jebusitern (Jebusiter ein kanaanitischer Stamm) entriss und zur Hauptstadt seines Reiches machte, verwechselten die Hebräer den Namen Salem mit dem hebräischen Wort Shalom, das Friede bedeutet: So wurde aus dem alten Urushalem oder Salem die Stadt des Friedens - Yerushalavim". Als Abraham um 1.800 v. Chr. nach Kanaan kam, regierte der Kanaaniter König Melchisedek bereits in Jerusalem.


Der Geschichtserfinder Netanjahu ging nicht mehr darauf ein und verließ fluchtartig den Saal. Diese Geschichte ist kennzeichnend für die zionistische Lüge. Al-Quds ist die ewige Hauptstadt der Palästinenser  damals und heute.

Mehr davon bei:

Shlomo Sand: „Die Erfindung des Landes Israel: Mythos und Wahrheit“. und "Die Erfindung des Jüdischen Volks"


Balfour-Deklaration II

Der US-Kongress entschied bereits 1995 die US-Botschaft nach Jerusalem  zu verlegen. Keiner der Präsidenten in den USA hat es gewagt, diese schwerwiegende Entscheidung zu verwirklichen, bis ein konfuser, ich-bezogener Präsident, um die Gunst der zionistischen Lobby zu erhaschen, dem jüdischen Schwiegersohn und seiner konvertierten Tochter zu gefallen, voll ins Fettnäpfchen tappte und kritzelte seine seismographischen Schwingungen, „sog. Unterrscxhrift“, unter diesem Beschluss.

Seit der Balfour-Deklaration von 1917 stehen wir heute, genau nach 100 Jahren, vor einer zweiten Deklaration, ausgesprochen von einem Ignoranten, namens Donald Trump (genannt Dumpy Trümpi), in dem er den antijüdischen Lord Balfour nachzueifern versucht, als er Al-Quds zur Hauptstadt des zionistischen Retortengebildes Israel erklärt und die Verlegung der US-Botschaft nach dorthin veranlasste. Das bedeutet, eine totale Elimination Palästinas. Nichtahnend, dass er damit die Büchse der Pandora geöffnet hatte. Er hat nicht mit der Reaktion und Aufwallung der Volksmassen nicht nur  in Palästina, in der arabischen und islamischen Welt, sondern auch weltweit und sogar in Amerika vor dem Weißen Haus, gerechnet.

Diese Entscheidung hat einen tiefen Riss auf internationaler Ebene verursacht und die Staatengemeinschaft tief gespalten, USrael und Kollaborateure in der arabischen Welt Saudi Arabien, die Emirate und Bahrain auf der einen, die übrige Welt auf der anderen Seite. Trump glaubte, der Boden sei durch die Konflikte in der Region fruchtbar für seine Entscheidung, wo er auch zwei Wochen vor seinem Vorhaben,  den Verrätern im arabischen Lager, wie  Salman und seinen Sohn Mohammed, Al Sissi von Ägypten, Abdallah von Jordanien und Abbas der „Präsident“, wohlgemerkt nicht konsultiert, nur informierte,  nichtwissend, dass diese Quislinge bei den Volksmassen längst entlarvt sind.


Die Büchse der Pandora ist geöffnet. Diese Entscheidung hat alle Resolutionen der Weltgemeinschaft und das Völkerrecht verhöhnt und zertrümmert. Aber die Antwort ließ nicht lange aus sich warten und  kam am nächsten Tag postwendend. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte gegen die US-Stimme Trumps einseitige Aktion.

Der Zweck des Vorhabens unterschied Balfour und Trump voneinander. Der erstgenannte wollte keine Juden mehr in England haben. Und genauso, wie die Entdeckerfahrten ab dem 15. Jahrhundert von Anfang an letztlich einem ethisch minderwertigen Zweck dienten, nämlich den Rest der Welt mit vorgehaltener Waffe für Europas Krise bezahlen zu lassen, so diente auch das zionistische Projekt von Anfang an einen verwerflichen Zweck, nämlich dem, Europa "judenfrei" zu machen, dergestalt, dass die christlichen Europäer den jüdischen Europäern die Möglichkeit gaben, auf Kosten der Palästinenser [den wahren Nachfahren der antiken Juden, wie Shlomo Sand (Es gibt kein jüdisches Volk) darlegt, auf älteren Forschungsergebnissen aufbauend] einen Staat zu gründen, in dem sie nach eigenem Gutdünken und Herzenslust schalten und walten konnten - außerhalb Europas, versteht sich.

Also kann Israel gar nicht anders als so zu handeln, wie es das tut. Andernfalls (wenn es nicht rassistisch gegenüber den Palästinensern wäre) würde es den ganzen Zionismus ad absurdum führen. Das darf freilich nicht bedeuten, dass wir davor die Augen zu verschließen hätten, nach der Devise: "Der Jude unter den Staaten (wie Israel von Broder genannt wurde und wird) muss halt so handeln, weil er der Jude unter den Staaten ist; also, wäre es antisemitisch, sich daran zu stören."

Das Gute daran

Man könnte  auch positive Teile aus dieser Entscheidung ziehen, nämlich, das marginalisierte Palästinaproblem wurde in die Spitze der politischen Agenda katapultiert und gab dem Osloer "Friedensprozess" den Todesstoß. Abbas ist nun unter enormen Druck, die Sicherheitskoordination mit Israel aufzukündigen. Auch Verhandlungen sind endgültig passe. Bei dieser Gelegenheit erscheint es unerlässlich zu erwähnen, dass nach 24 Jahren gescheiterter Verhandlungen, die keinen Nutzen sondern nur Nachteile brachten, wie Landraub, mehr Siedlungen und vieles mehr, es an der Zeit ist zu sagen, wir machen Platz für  Andere. Abbas denkt aber gar nicht dran, bis er Palästina auch den Gnadenschuss gegeben hat. Aber die Volksmassen werden ihm dieses Mal keine Gelegenheit mehr geben. Jordanien und Ägypten müssen auch handeln und  die diplomatischen Beziehungen zu Israel abbrechen oder zumindest einfrieren und ihre Botschafter aus Tel Aviv abziehen.

Eine einzige Alternative bleibt, Widerstand, auch der bewaffnete. Was man mit Gewalt genommen hat, kann man nur mit Gegengewalt zurück bekommen. Denn, es gibt keine Zwei-Staatenlösung, es gibt nur einen demokratischen Staat Palästina, für alle seine Bürger, Muslime, Christen und Juden, nur keine Zionisten und Siedler. Es gibt auch kein West- und Ost-Jerusalem, es gibt nur ein Al-Quds. Für ein zionistisches Retortengebilde Israel gibt es keinen Platz. Es muss auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden.         

Die Buraq Mauer

Die Zionisten hallunizieren und haben seit der Balfour-Deklaration im Jahre 1917 begonnen, die Buraq-Mauer (Westmauer der Al-Aqsa Moschee) als ihre „Klagemauer“ zu bezeichnen. Deswegen gab es immer Zündstoff zwischen Muslimen und Juden. Im Jahre 1929 gab es Streiks, Aufstände und Unruhen in vielen Städten Palästinas, gegen die Weißbücher Großbritanniens (diese sind eine offizielle Grundsatzerklärung der britischen Regierung) und die Ansprüche auf die Klagemauer, bei denen 133 Juden, 116 Araber, vor allem von Briten getötet wurden. Jedes Palästina betreffende Weißbuch bekam den Namen des jeweiligen Kolonialministers: „Churchill-Weißbuch“ 1922; „Passfield-Weißbuch“ 1930; „MacDonald-Weißbuch“ 1939.

Im selben Jahr, während des britischen Mandats über Palästina, hat eine objektive wie unparteiische internationale Untersuchungskommission, angeführt vom ehemaligen schwedischen Außenministers Eliel Löfgren, festgestellt, dass es sich bei der sogenannten „Klagemauer“ lediglich um die muslimische „Buraq-Mauer“ handelt, und diese sei einzig und allein Eigentum der Muslime. Im Jahr 1930 hat die Kommission, nach Anhörung beider Seiten und Auswertung aller Dokumente, jüdische und arabische, einen Bericht an den Völkerbund gesandt, in dem ohne jeden Zweifel dokumentiert wurde, dass die Buraq-Mauer eindeutig ein Besitz der Muslime sei. Im Bericht steht, dass die westliche Wand der Al-Aqsa-Moschee (Al-Buraq-Mauer) ein unteilbarer Teil  des Territoriums des „Al-Haram Al-Sharif“ - Al-Aqsa Moschee und des Felsen Doms - ist. Diese sind ohne Zweifel Eigentum des Islamischen Waqf (Stiftung).

Fakt ist, dass Juden, sprich Zionisten, keinen Anspruch auf die sog. Klagemauer haben. Die Klagemauer, die es nicht gibt, kann den Juden gar nicht heilig sein. Lediglich der „zionistische Gott“ hat die muslimische Buraq-Mauer in eine Klagemauer umbenannt und für die Juden geheiligt, also heiliggesprochen, damit die Zionisten ihrem zerstörten und angeblichen  „Salomon-Tempel“ nachweinen und ihn wieder auf dem Tempelberg  errichten können.


Welche Wünsche hat der Präsident?
Die Fantasien der Zionisten kann man nur als ein Treppenwitz zionistischer Geschichte bezeichnen. Auch Trump, als erster US-Präsident, hat die Mauer besucht und einen frommen Wunsch eingesteckt, wahrscheinlich, dass er die Wahlperiode übersteht.


Auch First Lady hat Wünsche?


Wir werden die Geschichte der muslimischen Buraq Mauer  weiter näher beleuchten, damit  es auch die letzten Zionisten endlich begreifen.

Professor Mutawakel Taha, von der Universität Al-Najah in Nablus, hat in einer Studie aus dem Jahr 2011 nachgewiesen, dass Israel mit dieser Fälschung und Täuschung bisher leider Erfolg hatte. Israel beabsichtigt die Al-Aqsa Moschee zum Einsturz zu bringen, damit es seinen erfundenen Tempel an deren Stelle errichten kann.  Diese Studie bestätigt detailliert das oben erwähnte.

Wir fügen noch die Tatsche hinzu, dass seit  dem Sechs-Tage-Krieg 1967 eine große Schar israelischer Archäologen begonnen hat, nach Spuren des angeblichen zerstörten Tempels von Salomon auf dem „Tempelberg“ zu graben. Es wurden unendlich viele Tunnels unter der Al-Aqsa Moschee gegraben. Nie ist auch nur eine einzige Spur, die auf einen jüdischen Tempel hinweisen könnte, bis heute gefunden worden. Aber  die al-Aqsa Moschee ist durch die Grabungen bedroht und droht  einzustürzen. Das ist ganz sicher das erklärte Ziel der Zionisten.

Wir schließen damit ab, Free Palestine for ever, Palästina den Palästinensern - Muslime, Christen und Juden. Die Schaffung des zionistisch-rassistischen Siedler-Retortengebildes ist völkerrechtswidrig und gehört abgeschafft. Kein Platz in Palästina für Zionisten.

Schlusswort

Die Arabische Liga, eine „Saudi Occupied Territory“, vertreten durch die Außenminister, nur noch Schatten ihrer  selbst, hat sich versammelt, und wie immer ergebnislos. Paralysiert, untätig und bedeutungslos. Null Komma Null, daher vernachlässigbar. Der libanesische Außenminister, der einzige mutige Mann beim Treffen, Gebran Bassil, hat den verachtenswerten Minister-Schafen sehr deutlich und stolz die Leviten gelesen und verließ. Aber Tote kann man nicht wieder zum Leben erwecken.

Lieber fliegt der Verbrecher Mohammed Bin Salman mehrmals täglich nach Jemen, um dort Kinder, Frauen und Unschuldige zu morden und die alte Kulturwelterbe zu zerstören und zu verwischen.

MBS gibt bis jetzt nicht auf, Mahmoud Abbas das zionistische Jahrhundert-Deal, die „Elimination Palästinas“, unterzujubeln. 

Mahmoud Abbas und seine Bande sind inzwischen vermodert und verschimmelt. Sie müssen endlich, nachdem sie ein viertel Jahrhundert, mit ihrer Verhandlungsstrategie völlig gescheitert sind und das Meiste von Palästina verschachert haben, den Weg frei machen.  

Was getan werden muss

Ägypten und Jordanien müssen die diplomatischen Vertretungen schließen. Die Bauchkriecher, Saudia, Bahrain und die Emirate müssen auf die Müllkippe; Mahmoud Abbas muss die tote Leiche „Oslo-Friedensprozess“ und sich selbst begraben; jede Sicherheitskoordination mit Israel beenden; die Anerkennung des zionistischen Gebildes zurückziehen; die Rolle der USA als „ehrlicher fairer Makler und Vermittler“ endgültig im Sondermüll entsorgen,  jede Art von Verhandlungen strickt ablehnen und last but not least, er muss selbst, mit seiner Bande, verschwinden. Ihr Gestank ist unerträglich geworden.

Kurz vor Fertigstellung des Beitrags hat Hassan Nasrallah heute eine strategische Grundsatzrede gehalten, die die Fatahriege um Abbas wachgerüttelt hat. Man hat die Schließung des Büros in Washington und ein Totalboykott gegen die USA angekündigt. 

Epilog

Free Palestine for ever. Al-Quds und Palästina sind eins.  Al-Quds ist die Hauptstadt Palästinas in alle Ewigkeit. Ganz-Palästina den Palästinensern, Muslime, Christen und Juden, wo alle gleich sind. Keiner darf wegen seiner Abstammung, Hautfarbe, Muttersprache, Religion oder Geschlecht bevorzugt oder diskriminiert werden. Es gibt keine 67er Grenzen. Palästina wird nicht geteilt. Die Schaffung des zionistisch-rassistischen Siedler-Retortengebildes ist völkerrechtswidrig und gehört abgeschafft. Kein Platz in Palästina für Zionisten.



Izzeddin Musa
Wachtberg, eingestellt 12. Dezember 2017 


Der Beitrag ist auch erschienen in: Politonline.ch






Al-Quds - Die ewige Hauptstadt Palästinas 

Vorgeschichte - Die 3000-Jahre-Lüge ist lediglich eine Fabel
zionistischerPhantasien. Im Jahr 1993 wurde Netanjahu zum Chef des zionistischen rechtsgerichteten Likud-Blocks und folglich zum Oppositionsführer gewählt. Ende 1995 wurde er  - Premierminister Israels in spe für die Wahlen 1996 -  als Gastredner von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin eingeladen. An diesem Abend war ich auch anwesend. Der als notorischer Lügner bekannte Likud-Chef Netanjahu begann, wie üblich, mit seiner Geschichtsklitterung; dies auf eine Weise, daß alle Historiker und Geschichtsforscher erblaßt wären, hätten sie seine Ausführungen zur Geschichte Jerusalems gehört. Unter anderem phantasierte und faselte er davon, daß Jerusalem erst seit David  - also lediglich 3.000 Jahre alt -  und immer jüdisch gewesen sei. 


Weiterlesen: 

http://politonline.ch/?content=news&newsid=2735




Ein Beitrag vom israelischen Philosoph Omri Boehm:

Jerusalem, unser Goldenes Kalb

Theologisch spricht nichts für die schwärmerische Identifikation der Israelis mit ihrer Hauptstadt. Es handelt sich im Gegenteil um einen götzendienerischen Messianismus              VON OMRI BOEHM

Im April 2010 schaltete Elie Wiesel ganzseitige Anzeigen in der New York Times, der Washington Post und dem Wall Street Journal. Sie enthielten ein Manifest für Jerusalem, ein Plädoyer für die jüdische Souveränität über die Stadt: »Jerusalem steht über der Politik. Die Stadt wird mehr als sechshundertmal in der Bibel erwähnt – und kein einziges Mal im Koran. (...) Für viele jüdische Theologen ist sie die jüdische Geschichte (...). Sie gehört dem jüdischen Volk. (...) Jerusalem ist das Herz unseres Herzens, die Seele unserer Seele.«

Den jüdischen Reaktionen auf Trumps Jerusalem-Entscheidung lag zumeist eine ähnliche Einstellung zugrunde. In der ZEIT von vergangener Woche schreibt Zeruya Shalev in diesem Sinne, dass Jerusalem bereits »vor dreitausend Jahren« unsere Hauptstadt war. Es habe einen jüdischen König in Jerusalem »Hunderte von Jahren vor Mohammed, vor dem Koran« gegeben. Trumps Erklärung stelle nicht nur »historische«, sondern auch »literarische Gerechtigkeit« her.

Diese vertrauten Klischees sind grob vereinfachend und irreführend. Zum einen ist das Herz unseres Herzens die Thora, und in der Thora kommt Jerusalem nicht vor. Andere städtische Zentren sind in dem Buch bedeutsam: Hebron ist stark mit Abraham verbunden, und in Bet-El wurde Jakob höchst symbolisch in »Israel« umbenannt. Moses hat nie von Jerusalem gehört und Josef nie von ihm geträumt. In der Theologie der Thora glänzt Jerusalem durch Abwesenheit.

Jerusalem gewinnt erst an Bedeutung, nachdem die Israeliten einen König verlangen, »wie ihn alle Völker haben« – nachdem sie also von einer weltlichen, politischen Obrigkeit regiert werden wollen statt unmittelbar von Gott (1. Sam 8, 5). Samuel versteht diese Forderung als einen götzendienerischen Akt des Betrugs, ein Urteil, das eindeutig auch dasjenige Gottes ist. Mit Verweis darauf, dass die Israeliten »anderen Göttern gedient« und ihn in der Wüste »verlassen« haben, erklärt Gott Samuel, dass die Israeliten direkt gegen die Gottheit rebellieren: »sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll« (1. Sam 8, 7–8). Neben dem Vorfall mit dem Goldenen Kalb ist die Forderung der Israeliten, einen König zu bekommen, »wie ihn alle Völker haben«, ein paradigmatisches Beispiel der Bibel für einen Götzendienst – einen der schlimmsten Frevel.

Von diesem Moment der Idolatrie an wird die jüdische Politik in Jerusalem zentralisiert. Mit Bau des Tempels festigte die weltliche Hauptstadt ihre politisch-theologische Macht. Diese Ursprünge haben Jerusalem dauerhaft besudelt: Ein angemessenes jüdisches Verhältnis zu der Stadt kann bestenfalls das einer zwiespältigen Liebe sein und nicht das einer schwärmerischen Identifikation.

Die Größe der jüdischen Propheten besteht auch in ihrer Kultivierung solcher Zwiespältigkeit. Sie wissen, dass Jerusalem nicht die Stadt Gottes ist, sondern ein allzu menschlicher Ort der Geistlichen, Politiker, Könige. Wenn es die Erbsünde der Stadt ist, aus dem Wunsch der Israeliten entstanden zu sein, wie »alle Völker« zu werden, dann ist es das Projekt der Propheten, die Israeliten zum Vorbild der Völker zu machen. Diese Umkehrung von Jerusalems götzendienerischem Vorbild liegt hinter der Formulierung des Propheten Jesaja, die Israeliten sollten durch »Gerechtigkeit« zum »Licht der Völker« werden (Jesaja 42, 6). Doch bleibt diese Umkehrung unvollständig; erst mit der Ankunft des Messias wird Jerusalem selbst zum Modell von Gerechtigkeit und Frieden für alle Völker: »Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. (...) Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.« (Jesaja 2, 3–4)

Tatsächlich verbietet das jüdische Gesetz jede jüdische Herrschaft über Jerusalem vor der Ankunft des Messias und der Erfüllung von Jesajas Prophezeiung. In sofern steht nicht nur Trumps Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels, sondern auch Ben-Gurions Verkündung von Israels Unabhängigkeit in scharfem Widerspruch zur jüdischen Religion. Die religiösen Zionisten vergaßen dieses Verbot nicht, sondern machten es vielmehr zur Grundlage ihrer Theologie: Sie erklärten den götzendienerischen zionistischen Wunsch, einen Nationalstaat zu begründen, »wie ihn alle Völker haben«, als athalta d’geula, den Beginn der Ankunft des Messias.

Diese Kombination aus Idolatrie und Messianismus hat den Fundamentalismus hervorgebracht, den wir heute von der religiös-zionistischen Siedlerbewegung kennen: eine Heiligung des Staates Israel, verbunden mit einer heidnischen Verehrung von Land. Durch diese giftige Mischung ist Jerusalem wahrlich zum Modell geworden, allerdings zu einem, das sehr weit von Jesajas Vorstellungen von Gerechtigkeit und Frieden entfernt ist.

Dieser messianische Götzendienst ist heute auch außerhalb der Siedlerbewegung oder Netanjahus Regierung weit verbreitet. Avi Gabbay, der Vorsitzende der größten israelischen Oppositionspartei, begrüßte Trumps Entscheidung: »Ein vereinigtes Jerusalem ist wichtiger als Frieden.« Eine Woche vorher hatte er bemerkt, Israels Linke habe »vergessen, was es heißt, ein Jude zu sein«. Gabbays Kommentare liegen auf einer Linie mit Wiesels Vorstellung, Jerusalem stehe »über der Politik«, weil es »das Herz« eines jüdischen »Herzens« sei. Eine verhängnisvolle Form von götzendienerischem Messianismus prägt zunehmend den jüdischen Konsens.

Unlängst erklärte mir der israelische Literaturwissenschaftler Nissim Calderon: »Jeder, der auch nur ein wenig Ahnung von der modernen hebräischen Literatur hat, sollte wissen, dass unsere hellsten Köpfe Jerusalem als Symbol für den neuen und souveränen Juden abgelehnt haben. Agnon in Gestern, vorgestern, Brenner, Alterman – ängstlich, widerwillig und ablehnend schrieben sie über Jerusalem.« In der Tat hatten sie alle, wie die Propheten, ein misstrauisches Verhältnis zu der Stadt – oder bestenfalls wie Agnon eines von zwiespältiger Liebe. Shalev hingegen sieht in Trumps Jerusalem Erklärung einen Ausdruck »literarischer Gerechtigkeit« und wünscht sich lediglich, sie wäre aus Obamas Mund gekommen statt aus dem des »lächerlichen und gefährlichen Präsidenten«. Literarisch aber passt es nur zu gut, dass der Immobilienmogul im Weißen Haus die vulgäre Verwandlung Jerusalems in ein Goldenes Kalb vorantreibt.

Es ist nicht Israels Linke, die vergessen hat, was es heißt, ein Jude zu sein. Jerusalem hat nie über der Politik gestanden und war nie das Herz unseres Herzens. Die unverzichtbaren Säulen des Judentums, das sind die Bedeutung der Thora und die Gerechtigkeitslehre der Propheten. Doch die Neigung, sie durch einen Jerusalem-Götzendienst zu ersetzen, ist uns von Beginn an vertraut.



Aus dem Englischen von Michael Adrian
Der israelische Philosoph Omri Boehm, Jahrgang 1979, ist Professor für Philosophie an der New School for Social Research in New York


Kommentare:

  1. Am 11.12. kommentierte Ghazi:

    lieber Izzedin,

    was du hier schreibst ist großartig.........solche Fahigkeiten und Ausdauer haben
    nur ausgewählte Leute.

    Ich wünsche dir alles Gute.......sende mir deine Telefonnr.. und schreibe mir,wann ich dich anrufen darf!!

    Salamat

    Dein Bruder

    ghazi

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  2. Nawal El Zoghbi - Ya Qodos ( Official Music Video ) | نوال الزغبي - يا قدس
    Nawal El Zoghbi - Ya Qodos ( Official Music Video ) | نوال الزغبي - يا قدس Follow us on: Twitter: Twitter.com/na...



    Mit solidarischen Gruessen aus den Niederlanden,


    Samy Yildirim


    Zaandam // Nordholland // Niederlande
    On Monday, December 11, 2017, 9:28:02 PM GMT+1, Izzeddin Musa wrote:

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