Montag, 18. Dezember 2017

Deutschland und Israel – Partnerschaft für die Zukunft

Leserbrief


Dr. Izzeddin Musa                                     18.05.2005
Anschrift


Chefredaktion der FAZ


 - Leserbriefe - Betr. Deutschland und Israel – Partnerschaft für die Zukunft, in: FAZ vom 18.5.2005


Sehr geehrte Leserbriefredaktion,

ich bitte um den Abdruck des folgenden Leserbriefes in Ihrer Zeitung: Die Jubel-Außenminister! Der Jubelbeitrag des deutschen und des israelischen Außenministers anläßlich des 40. Jahrestages der Aufnahme bilateraler Beziehungen ist ein Skandalon. Er ist geprägt durch die totale Verweigerung der Wirklichkeit und eine durch nichts zu überbietende Ignoranz. Über welche Länder schreiben Fischer und Schalom eigentlich? Über die Kolonialmacht Israel wohl kaum.

Als Deutsch-Palästinenser finde ich, dass mit der deutschen Selbstgeißelung und der moralischen Erpressung durch Israel und seine Lobby 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Schluss sein muss. Dass Fischer der beste Israel-Lobbyist ist, zeigt seine einseitige Parteinahme für dieses Land. Er hat für alle israelischen Völkerrechtsverbrechen rechtfertigende und verständnisvolle Worte; bei den zahlreichen Ehrendoktorhüten israelischer Universitäten und Ehrungen aller möglichen jüdischen Einrichtungen auch kein Wunder. Fischer als Dr. h. c. der Universität Haifa sollte sich für Professor Ilan Pappe einsetzen, der von Seiten der Universität in seiner Existenz bedroht wird, weil er sich für den Boykott israelischer Universitäten eingesetzt hat, da diese zur Okkupationspolitik bisher kein Wort der Kritik verloren haben.

Es bleibt für mich völlig unverständlich, wie die beiden Herren Israels brutales Besatzungs- und Unterdrückungsregime einfach ignorieren. Wenn sich Deutschland seiner wahren politischen Verantwortung bewusst wäre und die wirkliche Lehre aus den Holocaust-Verbrechen gezogen hätte, würde es seine Stimme gegen die Sharonsche Hinrichtungspolitik à la Apache-Kampfhubschrauber, der Ermordung von fast 600 Kindern und Jugendlichen in den letzten vier Jahren, des Vandalismus der israelischen Armee und der 

Strangulierungspolitik in den besetzten Gebieten äußern.
Dass Fischer und seinem Kollegen nichts zur völkerrechtswidrigen Errichtung der Mauer (Ihr Korrespondent Bremer hat dafür den Orwellschen Begriff der „Umfassungsanlage“ geprägt, FAZ 17.5.05) auf besetztem palästinensischen Land einfällt, verwundert nicht. Warum soll er hinter den Rechtfertigungen dieses Schandmals durch seinen Kollegen Otto Schily auch zurückstehen?
Der deutsche Außenminister – vom israelischen ist in dieser Sache sowieso nichts zu erwarten – beleidigt mit diesem Beitrag und seiner Haltung die Opfer der Opfer – uns Palästinenser - und trägt durch sein Schweigen über die israelischen Verbrechen eine moralische Mitverantwortung an der Zerstörung der Existenzgrundlagen meines Volkes. Zum Abschluss sei auf Artikel 25 Grundgesetz hingewiesen: Danach ist Deutschland verpflichtet, gegen jede Verletzung des Völkerrechtes von Rechtswegen vorzugehen.
Israel wäre dazu das geeignetste Land, da es seit 38 Jahre gegen die Normen des Völkerrechts verstößt.

Darauf hinzuweisen, gehört zur politischen Verantwortung Fischers und der deutschen Politiker, insbesondere im 40. Jahr des Jubiläums und 60 Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Izzeddin Musa
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Leserbrief an TZ Freitag

Dr. Izzeddin Musa
Am Bonner Graben 19
53343 Wachtberg                                             20.05.2005


Redaktion Freitag
Leserbriefe -


Sehr geehrte Redaktion, Ich bitte um die Veröffentlichung des folgenden Leserbriefes zum Artikel von Sophia Deeg „Wir haben es weit gebracht“ vom 20. 5. 2005. Ich kann den Tenor dieses Beitrages voll unterschreiben.
Auch ich habe diese Propaganda-Nummer der Zeitung „Das Parlament“ samt APuZ gelesen und fragte mich, ob ich im falschen Film bin. Als Deutsch-Palästinenser, der seit 47 Jahren in diesem Land lebt, fasse ich mich jedes Mal an den Kopf, wenn ich deutsche Politiker über Israel und den Nahostkonflikt reden höre: Entweder sind alle ahnungslos oder sie lügen bewusst. Der diese Geisteshaltung bis zur Perfektion getrieben hat, ist Joschka Fischer.

Dass sich aber Journalisten und die Bundeszentrale für politische Bildung für diese regierungsamtliche Propaganda einspannen lassen, zeugt von einer moralischen Verkommenheit, auf die auch Frau Deeg in ihrem Beitrag hingewiesen hat. Als Symbol dieser Haltung kann das Bild von Michel Friedman in einem Artikel über Frauenreisen gelten. „Paolo Pinkel“ ist in dieser Frage tatsächlich „Experte“! Frau Deeg hat zu Recht den Fischer- und Dressler-Beitrag herausgegriffen, weil sich beide als Wasserträger und Lautsprecher israelischer Propaganda betätigen. Dresslers Haltung kann nur als schäbig charakterisiert werden.

Ein Botschafter, der sich so servil und anbiedernd gegenüber einer Regierung verhält, die als Besatzungsmacht ein Volk gegen alle so genannten westlichen Werte, Moral und das Völkerrecht unterdrückt, sollte sofort seinen Posten räumen. Er ist eine Schande für dieses Land. Dressler sollte einmal in die besetzten Gebiete fahren, um das Verhalten der so genannten einzigen Demokratie des Nahen Osten hautnah zu erfahren; es würde einem normalen Menschen den Magen umdrehen. Beim Dressler zweifele ich daran.

Was aber viel bedenklicher ist, und darauf hat Frau Deeg nicht hingewiesen, ist die Verschwendung von Steuergeldern für Propagandazwecke. Insbesondere die Bundeszentrale hat meines Wissens einen Bildungsauftrag. Sie betreibt aber mit dem Abdruck dieses Artikels genau das Gegenteil.

Aber für Israel tut man ja alles, sei es auch noch so rechtswidrig, unmoralisch und verwerflich. Warum tut man nichts für die Opfer der Opfer, uns Palästinenser?

Meine deutschen Landsleute haben immer noch nicht die Lehren aus ihren Holocaust-Verbrechen gezogen, sonst würden sie nicht schon wieder auf der Seite der Unterdrücker und Täter stehen. Ihre Mentalität hat sich bis heute nicht geändert, deshalb ist größte Vorsicht gegenüber Deutschland weiterhin dringend geboten.




Mit freundlichen Grüßen
Dr. Izzeddin Musa

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